~Ruhe vor dem Sturm~

25. Juni 2017 Texte 0
~Ruhe vor dem Sturm~

Kennt Ihr das auch?
Sonntagmorgens entspannt
und ausgeruht aufwachen,
lächelnd und schon voller Vorfreude
den Kaffeeduft
in der Nase,
ein fesselndes Buch
in der Hand,
wahlweise iPad,
Laptop,
Lieblingsmensch…

Ich auch nicht!

Aber hoffentlich
in ein paar Tagen wieder
und dann
in schöner, liebgewordener
Regelmäßigkeit.
Das brauche ich nämlich
für mein seelisches Gleichgewicht.
Ja, ich brauche Regelmäßigkeit,
manch einer nennt es Routine,
dieses Wort hat nur leider
bei vielen diesen fahlen
Nachgeschmack von Langeweile.

Ich find Routine schön,
sie gibt mir Sicherheit,
sie gibt mir Halt in stürmischen Zeiten,
sie gibt mir Zuversicht,
wenn die Hektik dieser Welt
mir den Verstand zu rauben droht.
Ich hab oft drüber nachgedacht,
ob es am Alter liegt,
(wobei man in meinem Alter nicht wirklich von Alter in DEM Sinne sprechen kann)
dass ich manchmal das Gefühl habe,
einfach nicht mehr mitzukommen.
Es ist von allem zuviel.
Zuviel Arbeit,
zuviel Erwartung,
an uns selbst und von anderen.
Immer müssen/wollen/sollten
wir irgendjemandes Erwartungen
entsprechen,
machen uns selbst unglaublichen Druck damit,
hetzen von A nach B
-live erlebt in den vergangenen Tagen-
Überhaupt ist alles irgendwie „zu“
zu laut,
zu hektisch,
zu schnell,
eben zu viel von allem!
Wir geben und nehmen uns keine Zeit mehr.
Zeit, entspannt aufzuwachen,
schon morgens ein paar Minuten
die Seele baumeln zu lassen.
Zeit, das morgendliche Kaffee (wahlweise Tee-)
Ritual zu zelebrieren.
Zeit, in Ruhe und mit schönen Gedanken
den Tag zu beginnen.
Irrigerweise boomt die RatgeberLiteratur
auf dem Bücher- und Coachingmarkt,
auch in meinem Regal stehen solch
vielversprechende Titel wie
„In der Ruhe die Kraft finden“,
„Mehr Gelassenheit im Alltag“
and so on…
Und was mußte auch ich
in den letzten Tagen feststellen?
Selbst davon habe ich zuviel!
Zumindest behauptete das meine Mutter.
Sie hat mit liebevoller Hingabe
gefühlte 2000 Bücher
in Kisten verpackt!
Ich liebe Bücher,
ich lebe mit Büchern,
ich brauche sie!
Aber ab und an tut es gut,
sich auch von Büchern zu trennen,
und, was in meinen Augen noch viel
entscheidender ist,
auch mal etwas umzusetzen,
von dem, was man da so liest.
Das wiederum
war in den letzten Tagen einfach nicht möglich.
Angefangen bei der feierlichen Verabschiedung
meines Sohnes aus der Schule
(ich hab geheult kann ich Euch sagen, mein Baby ist fast erwachsen
und ein unglaublich attraktiver, selbständiger und gescheiter junger Mann).
Weiter über
die Organisation eines sehr kurzfristigen
Praktikums in einer IT-Firma,
in der Hoffnung auf einen
Ausbildungsplatz für ihn
in ebendieser.
Nebenher noch die Suche nach einem Arzt,
welcher ihm die Tauglichkeit
für seinen gewünschten Ausbildungsberuf unterschreibt.
Außerdem unsere neue Wohnung
mit Matratze, Internet und Kaffeemaschine
und diversen anderen Annehmlichkeiten
ausstatten,
damit er während des Praktikums
eine Bleibe hat.
Nach drei Tagen des Bangen`s
und Hoffen`s
nach Dresden aufbrechen,
und quasi zeitgleich
mit unserem Umzug
nun endlich seinen Ausbildungsvertrag unterschreiben.
Parallel dazu die Entscheidung darüber treffen,
ob staatliche oder private Berufsschule,
welche natürlich auch finanziert sein will,
also schnell noch gedanklich
die nächsten drei Jahre durchkalkulieren
und sich schlussendlich
natürlich für einen möglichst
erstklassigen Bildungsweg entscheiden.
Ich tu das gern, es geht hier schließlich
um seine Zukunft!

Erwähnte ich eigentlich schon,
dass morgen früh halb 8
der Umzugs LKW
vor der Tür steht?
Und da passt viel rein
in so ein riesiges Gefährt.
Die Schränke und Regale sind das eine.
Ich bin mal wieder völlig fassungslos darüber,
was in so einen Schrank alles hineinpasst.
Dank meiner engsten Freundin,
meiner Mutter und meines Sohnes,
bin ich auch nur knapp
am Nervenzusammenbruch
vorbeigerauscht.
Ich hab bisher nur einmal geheult,
und das ist ein guter Schnitt,
betrunken habe ich mich auch noch nicht.
Und ich habe auch noch nicht wild um mich geschlagen
oder ein Möbelstück zusammengetreten
(bisher musste bei jedem Umzug eins dran glauben)
Dank dieser drei Menschen
steht jetzt die alte Wohnung
voller gepackter Kisten
und von meinem Sohn ordnungsgemäß
zerlegter Möbel.
Und wenn ich in den letzten Tagen
neben Aufregung, Stress, Hektik
und teilweise anbahnender Verzweiflung
etwas ganz deutlich fühle,
dann ist es Dankbarkeit.
Dankbarkeit für die wunderbaren Menschen,
die ich um mich habe,
die mich tatkräftig unterstützen,
indem sie mit hochgekrempelten Ärmeln mit anpacken!
Dankbarkeit für die Menschen,
in deren Nähe ich in den letzten Jahren sehr gerne gelebt habe,
meine Mädels,
die mir gestern noch Blumen und Schokolade brachten.
Dankbarkeit für die,
die auch aus der Ferne
an mich denken
und mir Kraft und gute Gedanken schicken.
Und Dankbarkeit darüber,
dass ich gesund, stark und wirtschaftlich
dazu in der Lage bin,
das alles umzusetzen.
Ja,
im Moment ist es noch von allem
ein wenig zuviel „zu“,
aber auch diese Phasen braucht es wohl manchmal,
um dann die Ruhe, das Ankommen und das Leben an sich
wieder in vollen Zügen
zu zelebrieren.

In diesem Sinne – genießt den Sonntag!

Eure Frau Schmidt

 

(C) Photo by Pinterest


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