~Dieser Weg wird kein leichter sein~

12. September 2017 Texte 1
~Dieser Weg wird kein leichter sein~

Der einzige Vorteil daran, krank zu sein
und mehr oder weniger
das Bett hüten zu müssen,
ist, dass man(n)/frau viel Zeit hat,
über all das nachzudenken,
was in den letzten Wochen und Monaten
zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.
Oder aber über all das,
was sich immer mal wieder
ganz fies und gemein
von hinten anschleicht,
aber erfolgreich verdrängt wird,
um nicht permanent mit schlechter Laune
und Groll herumzulaufen.
Es ist nichts Neues,
dass ich es den Menschen,
die mit mir zu tun haben wollen oder müssen,
manchmal sehr leicht mache,
mich zum kotzen zu finden.
Das liegt an einer Eigenschaft,
die sich Authentizität nennt.
Das ist Fluch und Segen zugleich.
Segen deshalb, weil man,
wenn man es mit einem authentischen Menschen
zu tun hat, immer weiß, woran man ist.
Authentische Menschen machen keinen Hehl daraus,
wenn sie Dich nicht mögen oder unsympathisch finden.
Authentische Menschen sind nicht immer bequem und angenehm,
aber diesen Anspruch haben sie auch gar nicht.
Sie schätzen Ehrlichkeit, Direktheit und Verlässlichkeit.
Sicher leiden auch sie mal an schlechtem Gewissen,
wenn sie nicht genug Zeit haben für Freunde und Familie,
aber prinzipiell sind sie immer darauf bedacht,
anderen das Gefühl zu vermitteln,
dass man sich auch in ihrer Abwesenheit auf sie verlassen kann.
Auch wenn authentische Menschen bisweilen
ernst und zurückgezogen wirken,
so gehören sie doch zu den Leuten,
die zu hundert Prozent loyal sind,
wenn Du sie erstmal zum Freund hast.
Fluch deshalb,
weil es eben authentischen Menschen
kaum bis gar nicht gelingt,
sich zu verbiegen,
gegen ihre eigenen Werte zu verstoßen,
nur weil es bequemer ist
und sie damit in Sachen Beliebtheit
eher auf Qualität setzen,
als auf Quantität, und eben nicht nach dem Motto leben:
Schaut mal wie toll wir sind – jeder mag uns!
Bisher habe ich mit purer Absicht
das Wörtchen man benutzt,
einfach aus dem Grund,
weil all die aufgeführten
Attribute auf all die Menschen zutreffen,
die ich persönlich als authentisch empfinde
und die mir deshalb sehr nahe stehen.
Von denen, die ich davon persönlich kenne,
sind das leider nur soviel,
wie man(n)/frau an einer Hand abzählen kann.
Mein Therapeut gab mir in unserem letzten Gespräch
einen sehr wertvollen und seitdem sehr prägenden Satz mit auf den Weg:

Erwarten Sie nie von anderen, dass Sie die gleichen Maßstäbe hinsichtlich Loyalität, Authentizität und Ehrlichkeit an den Tag legen, wie Sie selbst. Das führt immer zu Enttäuschung!

Ja, er sollte Recht behalten.
Auch wenn ich erst jetzt diesen Satz in seiner vollen Tragweite
begriffen und im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren geschleudert bekommen habe,
ist es nicht weniger schmerzvoll,
genau das im Alltag,
in der eigenen Familie,
von Menschen,
von denen man glaubte,
sie würden auch leben was sie reden,
auf`s Bitterste präsentiert zu bekommen.
Jede Aktion ist ein Schlag mitten ins Gesicht,
wenn nicht sogar mitten ins Herz.
Du fühlst Dich verraten
und vorgeführt
von Leuten,
von denen Du niemals dachtest,
das sie zu denen gehören,
die ihr Mäntelchen schön in den Wind hängen,
die Deine Ansichten nicht interessieren,
weil die der anderen so viel plausibler
und bequemer sind.
Weil ihnen Deine Art zu leben nicht gefällt,
weil ihnen die Partnerschaft, die Du lebst,
nicht in ihr Weltbild passt,
weil sie sich lieber in Kreisen bewegen,
in denen hinter vorgehaltener Hand
über die eigenen Freunde geredet wird,
in denen es nicht etwa um Vertrauen,
Ehrlichkeit und echte Freundschaft geht,
sondern um gemeinsame „Feindbilder“,
Sensationsgeilheit und „Wir sind besser als die anderen“.
Ja, es ist bitter,
immer wieder subtil gezeigt und gesagt zu bekommen,
dass man nicht zu den „Auserwählten“ gehört,
dass man ausgegrenzt wird, weil –
ja, warum eigentlich?
Weil man seinen eigenen Weg geht,
weil man es sich nicht bequem macht,
auch wenn es einfacher wäre,
weil man nicht mitspielt in dem heuchlerischen Spiel:
„…noch vor ein paar Monaten fand ich Dich scheiße,
aber jetzt haben wir uns alle wieder lieb…“
Frau Schmidt, die Spaßbremse!
Das war schon immer mein Problem.
Meine Meinung über Menschen,
die charakterlich jetzt nicht grad die Überflieger sind
und andere gerne mal aus Eitelkeit, Überheblichkeit und aus blankem
Drama-Queen-Gehabe so richtig schön in den Arsch treten,
ist nunmal nicht so flexibel
wie bei anderen.
Ich kann das nicht,
es ist mir einfach zuwider.
Und damit bin ich raus.
Raus aus dem Kreis der Beliebten,
raus aus dem Kreis derer,
die zu gemeinsamen Unternehmungen eingeladen werden,
raus bei Aktivitäten, die früher so angenehm und selbstverständlich waren.
Aber ich bin auch raus aus meiner Komfortzone.
Ich habe nicht den Anspruch, von jedem gemocht oder gar geliebt zu werden.
Ich bin unbequem, trage mein Herz auf der Zunge und passe mich gar nicht gerne
an die allgemeine Meinung an, wenn sie für mich einfach nicht stimmt.
So ein Leben ist nicht gerade der schönste Ponyhof,
gerade in den letzten Wochen war es alles andere als das,
da sich der Start in der neuen Stadt
nicht gerade als das erwies
was er ursprünglich versprach.
Umso schärfer weht einem in solchen Zeiten
der Wind der Hartherzigkeit ins Gesicht,
das Gefühl, verraten und ausgetauscht worden zu sein,
gegen die, die einem nach dem Munde reden.
Und trotzdem gehe ich weiter,
versuche mich nicht in Enttäuschung und Groll zu vergraben,
versuche bei mir zu bleiben, mir selbst und meinen Überzeugungen treu.
Mit den wenigen Menschen an der Seite,
persönlich und virtuell,
mit denen ich zwar nicht blutsverwandt bin,
die mir aber immer wieder das Gefühl geben,
ein wertvoller und wichtiger Teil ihres Lebens zu sein.
Denn genau darauf kommt es an!
An dieser Stelle schwirren mir die Songzeilen eines Songs von Xavier Naidoo
im Kopf herum:

Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer.
Nicht mit vielen wirst Du Dir einig sein,
doch dieses Leben bietet soviel mehr.

Und mit diesen Zeilen danke ich all denen,
die mir gezeigt haben,
was wirklich zählt im Leben.

(C) Photo bei Pinterest


1 thought on “~Dieser Weg wird kein leichter sein~”

  • 1
    miRjana petRicevic am 20. November 2017 Antworten

    Liebe Frau Schmidt,
    mir ist heute meine Zeit zu kostbar, um sie mit Menschen zu vertrödeln, die nur heisse Luft blasen. Ich lebe mehr als zurückgezogen. Spassig eigentlich, da ich ein durchaus offener Mensch bin. Kein Problem damit habe, mein Innerstes nach Aussen zu kehren. Zu allem stehe, was ich bin.

    Doch ist mir meine Gesellschaft heilig.

    Und inzwischen überlege ich mir gut, mit wem ich sie teile.
    Denke mir, der Mensch muss es mir schon Wert sein, dass ich meine schöne Zeit mit mir selbst dann auch mit ihm teile.

    Authentisch ist eines meiner Allergiewörter.
    Zu oft missbraucht, wieder einmal.
    Missbraucht, um heisse Luft mit etwas Glanz zu schmücken.

    Ich mag es lieber altbacken und sage wahrhaftig.
    Ich liebe Menschen, an denen das Wahre haftet.
    Ich empfinde solche Menschen nie als anstrengend, wie auch?
    Wie du schon sagst, sie sind doch so einfach, so direkt und unverblümt.

    Schreibe weiter und hadere nicht.
    Ich bin so froh, dich zu lesen.

    Sei gegrüsst,
    mirjana

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