~Zwischenstand~
Nein,
Frau Schmidt hat weder das Land verlassen,
noch ist sie entführt worden.
Der Grund für die Schreibpause
war ursprünglich der Umzug.
Diesen hatte ich in seiner Gänze
und seinem Umfang ziemlich unterschätzt.
Und eine Wohnung zeigt nun auch erst
ihre Macken, wenn man wirklich drin wohnt.
So hatten wir in den letzten Wochen
mit diversen Herausforderungen zu kämpfen,
bei denen ich mir nicht sicher bin,
ob ich sie allein und ohne die Tatkraft und
unermüdliche Arbeit, Geduld, Liebe und Disziplin
meines Lieblingsmenschen,
gemeistert hätte.
Für all diese nervigen Angelegenheiten
ging unglaublich viel an Zeit und Nerven drauf.
Die wenigen Tage dazwischen,
an denen mal keine kleine oder mittlere Katastrophe anstand,
verbrachte ich dann am liebsten in trauter Zweisamkeit,
um die leergesaugten Akkus wieder aufzufüllen.
Wortgewandte, literarische Ergüsse
zeigten sich dabei allerdings nicht.
Zum einen, weil die private Zeit mit meinem Partner
für mich oberste Priorität hat
und zum anderen, weil ich das Gefühl habe, dass
es im Moment einfach nicht mehr fließt.
Ich habe Themen im Kopf,
Begebenheiten, Gedanken und Erlebnisse,
die nach schriftlichem Ausdruck verlangen.
Für mich die kreativste, entspannendste und befriedigendste Art,
Erlebtes einzuordnen,
in mentale Erinnerungsalben zu packen und
andere an meiner Sicht und meinen Empfindungen dem Leben gegenüber
teilhaben zu lassen.
Aber es fließt nicht mehr.
Im Moment zumindest.
Die Worte gehen mir aus.
Kaum Schönes kann zu mir vordringen,
zwischen der Verpflichtung zu arbeiten,
um sich den Weg und das Gefährt zur Arbeit leisten zu können.
Und dem Dach über dem Kopf,
welches man auch ohne Arbeit bräuchte.
Wir halten uns beschäftigt mit Tätigkeiten,
die so gar nichts mit Erbauung für die Seele zu tun haben,
an diesem Punkt stellt sich mir, wie so oft, die Sinnfrage
in diesem ganzen Theater.
Aber dazu schrieb ich schon in einem vergangenen Beitrag ausführlicher.
Und nun?
Weitermachen würde ich sagen,
möglichst ohne dabei zu resignieren und sich ständig darüber aufzuregen,
dass man einfach nur ein Rädchen im Getriebe ist,
so wie etliche andere.
Nicht aufgeben, wenn einem die Durststrecken des Lebens
mehr abverlangen, als gut für uns ist.
Geduld haben, mit sich und anderen,
auch wenn es schwer fällt,
vor allem mir,
für die Geduld (mit sich und anderen)
in etwa so mühsam ist
wie die Bezwingung eines Achttausenders – untrainiert und ohne Ausrüstung.
Sich immer wieder zwischendurch kleine Momente der Freude
und Inseln der Ruhe schaffen;
die Wäsche liegen lassen,
das Ausräumen des Geschirrspülers auf morgen vertagen
und sich das zu schnappen,
was einem am nächsten steht:
den Lieblingsmenschen, dessen Gegenwart uns wieder lächeln und aufatmen lässt,
die Musik oder das Buch, was uns für ein paar Stunden aus dem Alltag entbindet,
das Auto, die Bahn, das Rad – um an einen Ort zu fahren,
an dem die Seele wieder auftanken kann…
In diesem Sinne,
seht mir nach, dass es zur Zeit noch immer
so wenig zu lesen von mir gibt.
Ich hoffe sehr, dass sich das bald ändern wird.
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