~Von der (Un-) Möglichkeit der Liebe~
Ich wurde gefragt, was Liebe ist.
Ausgerechnet ich – die Expertin für gebrochene Herzen,
ich – das Trostpflaster für frisch Getrennte,
ich – der Lückenfüller nach verflossenen oder enttäuschten Lieben.
Ich – der Ersatzmensch.
Die von den Esoterikern angepriesene „bedingungslose“ Liebe möchte ich an dieser Stelle ausklammern. Es liegt in der Natur des Menschen nicht wirklich bedingungslos lieben zu können.
Ich bin nicht Jesus und ich hätte auch gar keinen Bock auf seinen Job.
Ich bin ein Mensch, eine Frau.
Mein Gesicht ist mein Stimmungsbarometer.
Den Versuch meine Empfindungen zu unterdrücken habe ich lange schon aufgegeben.
Wenn mein Herz Risse bekommt, wenn ich es mir entzwei reißen lasse, dann geht mir jede Überzeugung von altruistischer, bedingungsloser Liebe verloren.
Dann kann mich der Satz „Liebe stellt keine Bedingungen“ nicht trösten.
Dann verliere ich im wahrsten Sinne des Wortes den Verstand und finde ihn nur schwer wieder.
Wenn Dir das Herz blutet, weil ein Mensch, der Dir die Welt bedeutet, Deine Liebe nicht spürt, nicht erwidert oder gar nicht haben will – dann springst Du jedem ins Gesicht, der versucht, Dich mit Selbsthilfe-Kalendersprüchen oder noch schlimmer, mit spirituellen, halb-erleuchteten Ergüssen zu beglücken.
Ein Haufen Scheiße bleibt ein Haufen Scheiße.
Er stinkt nicht weniger, nur weil Du Puderzucker drüber streust.
Ein verletztes Herz bleibt ein verletztes Herz, und aus einer Wunde wird eine Narbe.
Wenn man Glück hat, trifft man jemanden, der all die Liebe haben will, die man geben kann.
Und wenn man diesen Menschen verliert, denkt man, alles andere müßte ebenfalls enden.
Es gibt so unglaublich viele Menschen, die im Herzen eines anderen ein herzförmiges Loch hinterlassen haben.
Und irgendwann wird jemand kommen, dieses Loch füllen zu wollen.
Aber das funktioniert nie, und stattdessen wird auch bei dieser selbstlosen Seele am Ende im Herzen eine Lücke bleiben.
Wenn Du liebst, ist es egal, wie oft Dir die schnöde Realität der offensichtlichen Tatsachen vor die Augen gehalten wird, ob von Dir selbst oder von anderen.
Wenn es um die Liebe geht, fallen selbst die intelligentesten Menschen zurück ins Kleinkindalter.
Ich möchte die Liebe gern rein wissenschaftlich auf eine chemische Reaktion reduzieren.
Weil es für diejenigen unter uns, die nicht gerade mit Liebe verwöhnt sind, so leichter zu ertragen ist.
Deshalb entscheiden sich ja so viele für ein Leben mit der geringstmöglichen Gefahr.
Denn Liebe ist gefährlich, sie macht uns verletzbar, sie macht uns angreifbar und sie erwischt uns gerne im denkbar ungünstigsten Moment und vor allem dann, wenn wir nicht im Traum damit rechnen.
Sie kann uns zum Einsturz bringen und gegen Eisberge krachen lassen.
Sie kann uns so blind machen, dass wir einen Eisberg nicht als solchen erkennen und wie die Titanic für unseren eigenen emotionalen Untergang sorgen.
Und doch packen wir unsere Flammenwerfer aus.
Wir wissen um die Unmöglichkeit dieses Unterfangens.
Aber Menschen sind so, sie stellen sich die absonderlichsten Dinge vor, um einen Grund für ihr Tun zu finden, nur um nicht aufzugeben.
Und sie halten diese Dinge für wahr.
Wir machen uns selbst etwas vor, wissen längst, ein Eisberg ist ein Eisberg und bleibt auch einer, selbst wenn Du Deinen Flammenwerfer bis zur völligen Besinnungslosigkeit darauf richtest.
Dann ist es gut, wenn Dich jemand wachrüttelt, wenn Dir jemand die richtigen Fragen stellt, wenn jemand, oder Du Dir selbst, klar machst, dass Du Dich in jedem Augenblick entscheiden kannst.
Nichts passiert einfach so!
Es gibt IMMER die Möglichkeit sich zu entscheiden.
Ob man lügt, oder die Wahrheit sagt.
Ob man ein Arschloch ist oder nicht.
Ob man aufhört in eine Schlacht zu ziehen, die schon verloren war, bevor sie begonnen hatte oder ob man einfach aufhört zu kämpfen.
Es ist schwer, jemanden dazu zu bringen, die Wahrheit zu glauben und das Offensichtliche zu erkennen.
Das liegt vermutlich daran, dass wir es uns die meiste Zeit selbst nicht eingestehen wollen.
Es ist schon erstaunlich, was man sich alles einreden kann, wenn man nicht den Mut hat, der Wirklichkeit ins Gesicht zu blicken.
So ist es auch im umgekehrten Fall.
Wenn wir uns (vor der Liebe) schützen wollen.
So kann man seine innere oder äußere Hässlichkeit vorschieben, um sich die Leute vom Leib zu halten, obwohl einen eigentlich die Angst lähmt, ein anderer könnte Dir so nahe kommen, dass er dich noch tiefer verletzen kann.
Man kann sich auch einreden, jemanden zu lieben, der diese Liebe nie erwidern wird, weil man dann nämlich niemanden verlieren kann, der einem sowieso nie gehört hat.
Die einzigen Gefühle, die wirklich Dein Leben verändern, sind Angst und Liebe!
Für welches Du Dich entscheidest, liegt allein in Deiner Macht.
Wenn Du Angst spürst, benutz Dein Schwert und schneid den Verstand in Fetzen.
Zerschlitz das ganze Bedauern und die Angst und alles andere aus Vergangenheit und Zukunft.
Eine Kämpferin gibt das, was sie liebt, nicht auf.
Sie findet die Liebe in dem, was sie tut.
Eine Kämpferin steht nicht für Perfektion oder Sieg oder Unverwundbarkeit.
Sie steht für absolute Verwundbarkeit!
Das ist Leben!
So oft glaube ich, ich habe mich verirrt – im Leben, in der Liebe.
Und das ist ein Zustand, der solange andauert, bis man von jemanden gefunden wird.
Aber Glück fällt manchen Menschen einfach leichter zu als anderen.
Ich möchte glücklich sein, mehr als sonst jemand, aber es gelingt mir einfach nicht.
Liebe bedeutet, aus großer Höhe zu springen und darauf zu vertrauen, dass ein anderer da ist, um Dich aufzufangen.
In meinem Fall jedoch bin ich geprägt von der Erfahrung, dass die Menschen weglaufen, bevor ich unten angekommen bin.
Ich stürze ab oder hänge in der Luft.
Und ich bin mir nicht sicher, ob ich noch einmal springen will.
Wenn ich vor dieser Frage stehe, dann denke ich an den einen besonderen Menschen, der mich schon mein ganzes Leben lang aufgefangen hat.
Die Erinnerung an sie trage ich mit mir in jedem Winkel meines Herzens.
Wenn ich sie vor mir sehe, weiß ich sofort, dass ich träume.
So ist es, wenn wir jene verlieren, die uns die Welt waren.
Es geht ein Riss durch unser Leben und in ihm verschwinden das Lachen und die Unbeschwertheit.
Ihre Abwesenheit zerbricht uns, und auf einmal können wir die Unterschiede zwischen Wahrheit und Trauer ganz deutlich sehen.
Und wenn ich dann trotz allem den Glauben nicht verliere, dann weiß ich:
Die uns lieben, warten immer auf uns!
Auch, oder vielleicht erst in einer anderen Welt, aber in jedem Fall in unseren Herzen.
Auf die Frage, was Liebe wirklich ist, habe ich keine Antwort, außer diese:
Ich glaube an die Liebe – und ich glaube an die Menschen, die an die Liebe glauben.
An ihre Kraft, einander zu helfen und trotz allem weiterzumachen.
Ich glaube, dass das Außergewöhnliche jeden Tag über das Gewöhnliche triumphiert.
Ich glaube, wenn man Hoffnung hat – und sei es nur auf ein besseres Morgen –
ist dies die mächstigste Droge auf diesem Planeten!
Zu diesem Text wurde ich inspiriert durch Bücher und Gespräche.
(C) Photo gefunden auf Pinterest
Bingo…, da find ich mich in (fast) jedem Satz!
Danke für diesen wunderbaren Text!
Ich freu mich Helga, dass ich vielleicht doch ein Thema getroffen habe, was uns immer wieder beschäftigt.
Fühl Dich gedrückt!