~ Metamorphosen ~

08. Februar 2017 Texte 0
~ Metamorphosen ~

Sang- und klanglos habe ich ihn vorüberziehen lassen – den ersten Geburtstag von Frau Schmidt schreibt.

Genauso handhabe ich das ja ganz gern mit meinen eigenen runden oder auch weniger runden Geburtstagen.
Meinen vierzigsten zum Beispiel verbrachte ich auf der Autobahn.
Ich war auf der Rückfahrt aus dem Norden kommend, wohin ich in wilder Verzweiflung zu meiner Schwester flüchtete, weil ich drei Tage vor dem Tag, an dem für die meisten Frauen die Welt stehen bleibt (weil die drei durch die vier ersetzt wird) verlassen wurde.
Per SMS, spät am Abend, nur wenige Stunden vorher wurde noch der Geburtstag besprochen.
Flucht ist nur leider der denkbar schlechteste Weg – du nimmst dich zwangsläufig selbst immer mit, das ist unvermeidbar!
Nun, diese Dinge passieren.
Jeden Tag wird irgendwer von irgendwem verlassen.
Jeden Tag trennen sich Wege, Leben, gemeinsame Träume und Hoffnungen.
Genau wie jeden Tag Wege sich kreuzen, Menschen sich begegnen, Träume neu geträumt werden.
Nichts ist planbar, weder das Trennen, noch das  (sich) Finden.
Und das ist auch gut so.
Wo bliebe denn der ganze Spaß, die Aufregung, die Spannung in Erwartung dessen, was kommt?
Nein, nicht immer konnte ich so entspannt mit diesem Thema umgehen.
Wenn mir in meinen „ich-bin-mal-wieder-verarscht-worden-Phasen“ jemand gesagt hat, ich solle doch Vertrauen ins Leben haben, wäre ich ihm/ihr am liebsten ins Gesicht gesprungen.
Was hatte der/die schon für eine Ahnung davon, wie sich das gerade anfühlt?
So frisch sitzen gelassen, das Herz zertreten, die Zukunft ein großes Fragezeichen, abgespeist mit einer Short Message?
Du fühlst Dich wie im falschen Film – und von falschen und dazu noch schlechten Filmen kann ich wirklich ein Lied singen!
Oh, ich habe gelitten, und gejammert, und mir selbst leid getan.
Hab wochen- und monatelang die tiefen Wunden geleckt, in die immer wieder Salz gestreut wurde.
Die totale Selbstzerfleischung!
Diesen Zustand hältst Du natürlich auf Dauer nicht aus.
Neben all dem Schmerz und der Verletzung wird´s schlichtweg irgendwann langweilig, jeden Tag mit Trauermiene und sich selbst beweinend rumzulaufen.
Damit will ich nicht in Abrede stellen, dass der Trauer- und Loslassprozess wichtig ist.
Gerade wenn man verlassen wurde!
Gerade dann, wenn man zurückbleibt und keine Antworten bekommt auf seine Fragen, wenn man sich einfach nur benutzt und gedemütigt fühlt!
Diese Zeit bedarf einer gehörigen Portion Achtsamkeit sich selbst gegenüber, Geduld und Nachsicht in Bezug auf seine eigenen (vermeintlichen) Unzulänglichkeiten.
Sie bedarf guter Freunde, die Dich aushalten in Deinem Gejammere, in Deinem Frust, in Deiner Verzweiflung!
Die Dich nicht trösten wollen mit unangebrachten Sätzen wie „Er hat Dich gar nicht verdient!“, „Der Richtige kommt bestimmt!“oder „Lach doch mal wieder!“
Mag sein, dass diese Sätze gut gemeint und irgendwie in Hilflosigkeit Deiner eigenen Trauer gegenüber ausgesprochen werden.
ABER: Lieber in solchen Momenten die Klappe, und dafür die Hand gehalten!
Es gibt Momente, die bedürfen keiner Worte, zumindest nicht solcher wie oben geschrieben, nicht wenn jemand gerade mit dem Zustand des Zurückbleibens kämpft!
Das Einzige was Du als Freund oder Freundin für jemanden in solchen Augenblicken tun kannst ist DA SEIN!
Das Einzige was Du für Dich selbst tun kannst, wenn Du in so einer Situation steckst ist DA SEIN!
Für Dich selbst, ganz und gar!
Trauere! Weine! Tobe! Fluche! Schlag gegen Wände! Iss kiloweise Schokolade!
Aber bleib immer BEI DIR!
Verlass Dich selbst nicht!
Sei gut zu Dir und nimm Dir vor allem selbst nichts übel!
Verurteile Dich nicht!
Nicht für Deine „Schwäche“, nicht für Deine Tränen, nicht für Deine Wut!
Bleib Dir treu!
Vertraue! Wenn auch erstmal nur Dir selbst!
Es kommt der Tag, an dem Du auch wieder anderen vertraust, an dem Du wieder dem Leben vertraust und der Tatsache, dass alles irgendwie einen Sinn macht!
Es kommt der Tag, an dem Du wieder atmen kannst, an dem sich Dein Herz nicht mehr anfühlt wie ein zerfetzter Trümmerhaufen!
Und es kommt der Tag, an dem Du wieder lachen und lieben kannst!
Der Tag, an dem Dir klar wird:

~ Das einzig Beständige ist der Wandel! ~

 

(C) Photo by Marit Schmidt


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