~Ausblicke~

31. Dezember 2016 Texte 8
~Ausblicke~

Nun ist es also mal wieder geschafft.
Der letzte Tag des Jahres ist angebrochen und allerorten fliegen Dir Wünsche aber auch die Frage nach den guten Vorsätzen entgegen.
V O R S Ä T Z E – allein schon dieses Wort macht mir Angst und setzt mich irgendwie unter Druck.
Wenn Du zu laut rumposaunst was auch immer Du Dir für das Neue Jahr vorgenommen hast, dies dann aber maximal einen halben Tag durchhältst und schon am 1. Januar in alte Gewohnheiten und Muster zurückfällst, dann bist Du ganz schön am Arsch.
Ich zumindest fühle mich sofort wie ein Versager, wenn ich gefragt werde: „Und? Wie läuft die Diät?“ (das Sportprogramm, mit dem Rauchen aufhören, mehr schlafen, weniger Medien…)
Was für so manchen der nötige Druck ist, den er braucht um etwas durchzuziehen (möglichst vielen davon erzählen, dann MUSS man dranbleiben – wer outet sich schon freiwillig als undisziplinierter, willensschwacher Bewegungsmuffel), kommt für mich nicht mehr in Frage.
Wer mich kennt weiß, dass ich immer irgendwie Gewicht verlieren muss/will.
Allerdings beginnt eine Diät für mich erst dann, wenn ich auch den Kopf dafür frei hab (also grundsätzlich MORGEN, will heißen nie, denn das mit MORGEN sage ich mir jeden Tag) und die Schmerzgrenze fast schon überschritten ist (was diesmal tatsächlich schon länger der Fall ist).
Nein, ich habe nun nicht vor 30 Kilo in 3 Wochen abzunehmen.
Da ich, wie eben geschrieben, immer irgendwie abnehmen will, brauche ich dazu keinen 1. Januar!
Ich habe auch nicht vor mit dem Rauchen aufzuhören.
Solange mir das Rauchen Spaß macht, rauche ich. Basta!
Veränderung fängt immer dann an, wenn ich den Zustand, den ich verändern möchte, so nicht mehr ertrage.
Das kann dann also auch am 4. April sein (in meinem Fall in diesem Jahr allerdins schon der 31.12.)
Was ich damit sagen will – mir persönlich geht dieses ganze pseudopsychologische und erfolgsorientierte Zielerreichungsgedöns mächtig auf den Zeiger.
Man bekommt den Eindruck, das Erfolg nur eintreten kann, wenn Du Dir eine möglichst lange Liste mit kurz-, mittel- und langfristigen Zielen aufstellst, tagtäglich über diese meditierst und sie zu Deinem persönlichen Mantra machst.
Mag ja sein, dass dies aus psychologischer Sicht ganz gut funktioniert, mir reicht es allerdings schon, wenn ich mich im Job an Zielvorgaben halten und mir alljährlich meine persönlichen Ziele festlegen soll.
Mein Leben soll doch auch noch Spaß machen, mich überraschen und mich verblüffen, wenn es mal wieder seinen eigenen Weg geht und nicht den, welchen ich mir auf meiner Zielvereinbarungsagenda so schön aufgeschrieben habe.
Außerdem muss ich nicht auch noch mein Privatleben der ewigen und derzeit voll im Trend liegenden Selbstoptimierung unterwerfen.
Im Gegenteil!
Ich zelebriere die Undiszipliniertheit und die Inkonsequenz bis zur Perfektion – frei nach dem Motto:
Was man einmal angefangen hat, muß nicht zwangsläufig bis zum bitteren Ende durchgezogen werden, vor allem dann nicht, wenn es keine Freude macht oder ich feststelle, dass es mir und meinen wirklichen Interessen und Wünschen absolut nicht entspricht.
Ich tue die Dinge die getan werden müssen, genau zu dem Zeitpunkt, an dem sie dran sind!
Und das heißt für mich im kommenden Jahr vor allem eins:
Meinen Sohn in eine anständige, seinen Vorstellungen entsprechende Berufsausbildung zu bringen und unseren gesamten Hausstand nach 10 Jahren auf dem Land, 70 Kilometer weiter in die Großstadt zu verlegen.
Glaubt mir, wenn das hinter mir liegt, kann mir jegliche Zielagenda gestohlen bleiben.
Das wird ein Ritt, der mir schon jetzt gehörigen Respekt, einen ausgeprägten Willen und eine verdammt gute Organsiation abverlangt.
Meinen Job will ich natürlich auch weiterhin ausüben (der nicht immer, aber doch die meiste Zeit Spaß macht und mir immerhin meine finanzielle Unabhängigkeit sichert und so ein Unterfangen überhaupt erst möglich macht)
Um das alles durchzuziehen braucht es keinen „guten Vorsatz“ an Silvester, keinen Erfolgsplan, keine starren Regeln!
Das Einzige, was ich mir wirklich fest vornehme ist, das Leben noch mehr auszukosten, an jedem Tag, in jeder Verfassung etwas Schönes entdecken, mir Erinnerungen schaffen, solche die an tristen oder langweiligen Tagen das Herz wärmen und mir ein Lächeln auf`s Gesicht zaubern.
Ich will mich noch weniger um die „unwichtigen“ Dinge des Alltags scheren, mich noch seltener der Meinung und dem Trend des Mainstream unterordnen oder gar anpassen.
Ich will mir jeden Tag auf`s Neue bewußt machen: Du hast nur dieses eine Leben, lebe es ganz, jetzt und hier! Nicht erst wenn Du Dein (vermeintliches) Traumgewicht erreicht oder Du den Kredit abgezahlt hast. Freue Dich, sei dankbar für all das, was für uns leider viel zu selbstverstäbdlich geworden ist: Der volle Kühlschrank, sauberes Wasser aus der Leitung, eine warme Wohnung, ein sauberes Bett.
Je mehr ich mich in dieser verrückten Welt umschaue, umso bewußter wird mir, es ist ein verdammtes Glück in diesem Land geboren worden zu sein.
Vielleicht sollten wir ab und zu daran denken, dass dies eigentlich ein Zufall ist und sich keiner bewußt aussucht, ob er im reichen Deutschland oder im kriegsgebeutelten Syrien geboren wird.
Wenn mich mal wieder schlimme Bilder aus Kriegsgebieten (oder Flüchtlingsauffanglagern) erreichen, macht mich das demütig und dankbar und lässt mich über meine Luxusprobleme nur den Kopf schütteln!

In diesem Sinne – entspannt Euch, genießt das Leben , all das was ihr habt.
Alleine oder mit Euren Lieben.
Achtet auf Euch und aufeinander!
Habt einen genussvollen, fröhlichen und vor allem friedlichen Jahreswechsel!
Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns auch 2017 hier wieder lesen!

Herzlichst, Eure Frau Schmidt

 

(C) Photo gefunden auf Pinterest


8 thoughts on “~Ausblicke~”

  • 1
    Elke am 31. Dezember 2016 Antworten

    Wunder- wunder – bar! Mir ist fast der Kopf abgefallen, vor lauter Nicken.
    Das mache ich schon seitJahren, was ich ändern will, mach ich JETZT.
    Egal welcher Tag gerade ist.
    Einfach super geschrieben.
    Ich warte jetzt auf das Buch, das in 1, 2, 5 Jahren eventuell kommt;-)
    Guten Rutsch liebe Mette –
    von Elke

    • 2
      Frau Schmidt am 31. Dezember 2016 Antworten

      Oh ja Elke, davon träume ich auch 🙂 Ganz lieben Dank für Deine Zeilen! Das macht Mut zum weiterschreiben und -bloggen.
      Komm gut rüber ins Neue Jahr!
      Liebste Grüße!

  • 3
    Helga am 31. Dezember 2016 Antworten

    Wie wundervoll!
    Genau das ist mein einziger Vorsatz für das neue Jahr: LEBEN!!!
    Danke und guten Start ins neue Jahr liebe Mette!

    • 4
      Frau Schmidt am 31. Dezember 2016 Antworten

      Helga, wie sehr ich mich freue über Deine Worte. Ich danke Dir von Herzen und freue mich sehr, dass Dir gefällt was ich schreibe 🙂
      Fühl Dich umärmelt aus der Ferne!

  • 5
    Ella Elch am 31. Dezember 2016 Antworten

    Danke liebe Marit für diesen wundervollen Text. Ich bin sehr froh, dich in meinem Leben zu wissen. Umso mehr freue ich mich, dich bald näher zu haben. Ich vermisse dich sehr und hoffe, dass wir uns nicht aus dem Augen verlieren.

    • 6
      Frau Schmidt am 1. Januar 2017 Antworten

      Warum sollten wir uns denn aus den Augen verlieren, Ella? Wie Du selbst schon schreibst, bald bin ich noch näher 😉

  • 7
    Cornelia Selina Bongers am 31. Dezember 2016 Antworten

    Gut geschrieben!
    Du siehst ganz klar vor dir was machbar, sinnvoll und für dich gut ist! Und nur so ist es richtig! Egal was andere denken und tun, es ist dein Weg und du wirst ihn gehen. Ich wünsche dir In diesem Sinne ein ganz wundervolles neues Jahr, liebe Marit!!
    Herzliche Grüße und guten Rutsch!

    • 8
      Frau Schmidt am 1. Januar 2017 Antworten

      Es ist so schön von Dir zu lesen Cornelia, übrigens eines der Dinge, die ich schon irgendwie vermisse. Einerseits hab ich derzeit so meine Schwierigkeiten mit der Digitalisierung des Lebens, andererseits habe ich (vor allem im SF) so viele liebe Menschen gewonnen, darüber bin ich wirklich sehr froh. Ich wünsche Dir einen traumhaften Start für dieses Jahr und drück Dich ganz fest!

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