~Weihnachtsgrüße von Frau Schmidt~

22. Dezember 2016 Texte 0
~Weihnachtsgrüße von Frau Schmidt~

Die Welt steht Kopf und jeder für sich versucht ein Stück seiner Normalität beizubehalten.
Wie soll man sich da noch weihnachtlich fühlen?
All die Werbeslogans „Wir schenken Ihnen Zeit“, „Nimm Dir Zeit für das was wichtig ist“, „Zeit – unser höchstes Gut“ – all diese Sätze ringen mir ein müdes Lächeln ab.
Es ist eine Ironie des Schicksals (oder der hochtechnisierten und digitalisierten Neuzeit), dass wir immer weniger Zeit zu haben scheinen, je mehr uns weisgemacht wird, mit diesen und jenen Dingen, Produkten, Geräten Zeit zu sparen.  Ganz ehrlich?
BULLSHIT!
Wenn ich mir nicht bewußt die Zeit für mich und meine Lieben nehme, dann habe ich auch keine.
Von entspannt weihnachtlich fühlen keine Spur.
Ich habe noch zwei volle Tage Büro vor mir, in der Zeit dazwischen werden Geschenke eingepackt, eingekauft, die Ente vorbereitet, die Wohnung geputzt.
Geschlafen wird, wenn Zeit dafür ist, also ein paar Stündchen irgendwo dazwischen.
Am Heiligen Abend muss alles perfekt sein, diesen kaum zu erfüllenden Anspruch habe ich an mich selbst.
Ob ich mich dann genau an diesem Tag auch perfekt weihnachtlich, entspannt und besinnlich fühle bleibt abzuwarten.

Schließlich habe ich nur diesen einen Tag um den Weihnachtszauber zu spüren.
An den Feiertagen gehe ich Geld verdienen, um mir diesen ganzen Zirkus auch leisten zu können.

Was für eine verkehrte Welt! Welch ein Widerspruch und selbst ich, die ich immer propagiere gegen den Strom zu schwimmen und die Dinge anders zu machen, als es die große graue Masse tut, bin mitgefangen in diesen Strukturen.

Beteilige mich an diesem Wahnsinn und wundere mich, dass ich genervt und frustriert bin, weil die Dinge, welche mir wirklich am Herzen liegen, auf der Strecke bleiben.

Nun, alles Jammern ändert nichts an der Situation.
Als überzeugter Fan von Eigenverantwortung kann ich nur selbst was ändern.
Von einfach war nicht die Rede, schließlich ist es leichter, in eingetretenen Pfaden zu laufen, als Neuland zu betreten. Für dieses Jahr nur leider ein bisschen spät über die große Weihnachtsrevolution nachzudenken.

Derweil halte ich mich fest an den kleinen Inseln die ich mir schaffe inmitten des Trubels.
Das zweistündige Kaffeetrinken gestern mit einer meiner engsten Freundinnen, die mir ein ganz zauberhaftes, persönliches Geschenk mitbrachte. Oder die Stunde am Morgen, wenn der Sohn aus dem Haus und die Liebste noch im Bett liegt.
Nur ich, mein Kaffee und mein Kater.
Eine Stunde Stille, Nichts-Tun, den Morgen beobachten, der Stille lauschen.
Klingt seltsam, ich weiß. Ist mir aber egal.
Wenn ich mir diese kleinen Momente nicht nehme oder sie mir selbst schaffe, spüre ich mich bald gar nicht mehr.

Ich wünsche mir und Euch, dass wir nicht aufhören darauf zu achten, an welcher Stelle wir uns selbst versklaven – für den Job, für die Kohle, für den Perfektionismus, von dem wir vielleicht glauben, dass der nötig wäre um uns selbst wer weiß was zu beweisen.
Dass wir immer wieder entdecken wie leicht es sein kann sich selbst und gegenseitig kleine Freuden zu bereiten, welche nichts mit Konsum und großen Geschenken zu tun haben.
Ich wünsche mir und Euch, dass wir ein Weihnachten haben, was uns daran erinnert, was für jeden Einzelnen wirklich wichtig und wertvoll ist.
Ich wünsche mir und Euch, dass wir uns nicht verbiegen, um es der Familie (den Freunden, Nachbarn, Kollegen…) recht zu machen, dass wir uns nicht verrückt machen und unter Druck setzen lassen, mit wem wir uns schnell noch zu treffen haben vor dem Fest oder während der Feiertage („es ist doch Weihnachten“).
Dass wir den Mut haben, auch mal unkonventionell zu sein. Die alten, ach so traditionellen Bahnen zu verlassen und einfach nur das zu tun, wonach uns gerade ist und uns nicht vorschreiben zu lassen, wie wir die „schönsten Tage des Jahres“ zu verbringen haben.

Und vor allem wünsche ich uns eine Zeit, die gefüllt ist mit „den kleinen Dingen“, die heutzutage für mich die großen sind: das zufällige Lächeln eines Fremden auf der Straße.
Die Kassiererin, die auch nach 8 Stunden an der Kasse noch ein freundliches Wort für jeden Kunden hat.
Der Autofahrer, der mir ein Zeichen gibt, vom Parkplatz auf die Straße abzubiegen, weil ich sonst noch weitere 5 Minuten da stehen würde, wenn mich keiner raus lässt.
Der fantastische Sonnenaufgang, wenn ich morgens ins Büro fahre und am liebsten rechts ran fahren und die Kamera auspacken möchte.
All diese „kleinen“ Dinge machen mich glücklich, lassen mich lächeln und das bewahre ich mir!
Und genau das wünsche ich Euch auch!

Habt ein paar feine und zauberhafte Feiertage!

Eure Frau Schmidt

 

(C) Photo gefunden auf Pinterest

 


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