~Was gut ist, bleibt. Manchmal für immer.~

14. Januar 2018 Texte 0
~Was gut ist, bleibt. Manchmal für immer.~

Nun ist das neue Jahr schon zwei ganze Wochen alt –
mich begrüßte es mit einer üblen Erkältung,
die mich zum daheim bleiben zwang.
Geht gut los –
und ganz so hatte ich es mir eigentlich nicht vorgestellt.
Allerdings – es kann nun doch nur besser werden.
Das wird es ja nicht immer, nicht wahr?
Manchmal sitzen wir in Sackgassen fest in der irrigen Hoffnung,
wenn wir nur lange genug kämpfen, tapfer genug durchhalten, stark genug lieben –
also wenn wir uns unglaublich anstrengen müssen,
eine Situation in irgendeiner Form zu retten,
die eigentlich gar nicht gerettet werden will,
dann ist eben so gar nichts gut.
Und es wird schon gleich gar nicht besser,
wenn wir uns immer weiter abstrampeln.
Ich verabscheue dieses große überstrapazierte Wort LOSLASSEN.
Es hat für mich diesen Licht-und-Liebe-Touch
und darauf reagiere ich über alle Maßen allergisch.
Wie oft lassen wir schon aus freien Stücken los?
Ist es nicht eher so, dass gewisse Situationen uns loslassen?
Dass wir uns manchmal regelrecht rausschneiden müssen,
unter nicht enden wollenden Schmerzen und Zweifeln, ob wir das richtige tun?
Oder dass wir losgelassen werden, fallen gelassen, allein gelassen, im Stich gelassen?
Dass es eben in den seltensten Fällen eine ganz bewusste und durchdachte Entscheidung ist,
etwas oder jemanden LOSzulassen?
Solange wir nämlich irgendeine Form von Hoffnung verspüren, ist es gar nicht so leicht, EINFACH loszulassen.
Das gilt für alltägliche Situationen, für berufliche und nicht zuletzt für familiäre und partnerschaftliche, also unter Umständen höchst emotionale Momente in unserem Leben.
(Bei mir so geschehen im letzten Jahr.)
Das eigentliche Loslassen geschieht doch erst viel später, es ist ein meist langwieriger Prozess, der nicht von heut auf Morgen stattfindet.
Wie oft hält uns Wut, alter Groll, ständig kreisende Gedanken bei unseren alten Problemen.
Vor allem das Gefühl, sehr verletzt oder ungerecht behandelt worden zu sein,
sorgt gern mal dafür,
dass wir Situationen nicht loslassen können bzw. sie UNS nicht loslassen.
Ich glaube niemanden der sagt:
„Ich habe das jetzt losgelassen, es tangiert mich gar nicht mehr.“
Selbst in überaus glücklichen Situationen, können uns alte und zum Teil verdrängte Verletzungen und Erfahrungen noch begleiten und so manchen schönen Tag vergällen.

Wie schon angekündigt, mache ich mir eher wenig aus den großen JahresRückblickResümeès
und noch weniger aus großartigen Zielsetzungen, Plänen und Vorsätzen.
Dennoch kam auch ich nicht umhin, zu schauen,
an welcher Stelle ich ordentlich auf die Fresse gekriegt hab und was sich als Glücksgriff zur richtigen Zeit, am richtigen Ort erwiesen hat.
Was mich also das vergangene Jahr gelehrt hat:
Die Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen.
Manchmal war ich so blind für das Offensichtliche,
dass ich dem heut nur noch mit ratlosem Kopfschütteln gegenüberstehe.
Wie zum Beispiel einer Beziehung,
in der ich einer riesigen Illusion aufgesessen bin.
Denn wir wissen es doch alle –
in der Liebe ist es wie mit dem Kinder kriegen –
ein bißchen schwanger geht nicht, ganz oder gar nicht.
Nun habe ich mich monatelang gegrämt damit,
dass ich habe soviel Zeit und Herz in eine Sache
fließen lassen,
in der ich bestenfalls die Zwischenlösung und Überbrückung war,
der Snickers der Beziehungskisten sozusagen,
aber eben nichts für den
richtigen (Liebes-) Hunger.
Und leider habe ich aus dieser vertrackten
Situation auch nicht alleine rausgefunden.
Es musste erst jemand kommen,
der mir klar macht,
in was für eine Sackgasse ich da geraten war.
An dieser Stelle greift mal wieder obiger Satz:
Loslassen tut es sich nicht mal eben so nebenher,
das kann mordsmäßig weh tun, langwierig sein
und ich kann froh sein,
mit ein paar blauen Flecken auf der Seele davongekommen zu sein.
Wenn ich im Nachhinein feststelle, dass ich mich von leeren Worthülsen
und unauthentischen Statements blenden ließ,
dreht sich mir jetzt manchmal noch der Magen um.
Glücklich sein kann man sich nicht vornehmen
und wenn der Schmerz gar zu groß ist,
suchen wir uns immer einen, der uns tröstet.

(Lina Stein)

Nun denn, das war der Teil mit „ordentlich auf die Fresse gekriegt“.
Wahrscheinlich musste das so sein,

Was hat mich das letzte Jahr noch gelehrt?
Ich mach`s kurz:

~ Loyalität ist nichts zum Essen
und gibt es schon gar nicht im App Store.

~ Blut ist nicht (immer) dicker als Wasser

und keine Garantie für Vertrauen und Akzeptanz.
~ Authentizität –
auch so ein pathetischer Begriff,
aber eigentlich doch ganz einfach:
Tue und sage nur Dinge,
die Du auch so meinst und hinter denen Du stehst.
Hinter denen Du auch dann noch stehst,
wenn Du dafür angegriffen, belehrt
und mit Allgemeinplätzen in Frage gestellt wirst.
~ Drama und Intrigen sind was für Leute,
die sich in ihrem eigenen Leben furchtbar langweilen müssen.
Was noch – ach ja, ganz wichtig:
~ Schlußstriche zieht man nicht mit Bleistift
(sondern mit Edding).
~ Nichts ist so kalt wie ein Herz, das mal gebrannt hat.
~ Die wahre Unendlichkeit steckt in jedem Augenblick.
Und:
~ Es braucht keinen Grund für gutes Essen!

So ist das Leben!
In der Summe ziemlich verrückt.
Und das was zählt,
sind die Begegnungen mit Menschen!
Alles andere ist nur schmückendes, manchmal nerviges Beiwerk:
Arbeit, Steuern zahlen, Verträge abschließen, in den Supermarkt gehen, das Auto zur Werkstatt bringen…
Wenn wir erstmal begriffen haben,
dass das Leben so unsicher und zerbrechlich ist,
dass wir nichts, aber auch gar nichts unter Kontrolle haben
und es uns jeden Moment entgleiten könnte,
lässt dies nur einen Schluß zu:
Es braucht keine Vorsätze,
wir tun jeden Tag das,
was wir immer tun –
die beste Version unserer selbst leben.

 
(C) Photo mit freundlicher Genehmigung von kriegundfreitag/facebook


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