~Das Leben ist kein Ponyhof~
Es schleift, und zwar ganz gewaltig.
Meine letzten selbstgeschriebenen Zeilen sind schon wieder einige Tage her.
Trotz dem ich knapp drei Wochen Urlaub hatte, rinnt mir die Zeit scheinbar durch die Finger.
Was hatte ich mir nicht alles vorgenommen – Wohnung entrümpeln, neue Wohnung finden, Freunde besuchen, an die Ostsee fahren, Texte schreiben, Schreibtisch sortieren, mindestens zwei von den begonnenen fünf Büchern auslesen, eine kleine Detox-Kur machen…
Von all dem ist nicht wirklich viel geworden.
Stattdessen habe ich innerhalb von wenigen Stunden Tausende Euro umgesetzt, um einen neuen fahrbaren Untersatz zu haben.
So schnell kann ich das Geld gar nicht wieder reinarbeiten, wie ich es ausgegeben habe – das erschreckt mich daran am meisten.
Im Hinblick auf den bevorstehenden Umzug ging mir damit kurz der Arsch auf Grundeis.
Solche Momente halten bei mir Gottseidank nicht lange an.
Kopf in Sand ist keine Option, lamentieren und jammern auch nicht.
Genervt und dadurch manchmal unausstehlich bin ich trotzdem.
Belohnt werde ich dann mit unvorhergesehenen günstigen Entwicklungen, wie zum Beispiel ein Spitzenangebot des Umzugsunternehmens oder das kulante Entgegenkommen meines Autohändlers. Das mit dem Vertrauen ins Leben und meine eigenen Stärken scheint zumindest in diesem Bereich ganz gut zu funktionieren.
Schön wäre es, wenn dies nun auch auf andere Lebensbereiche abfärben würde.
Manchmal habe ich das Gefühl, ich muss mich für eines von beiden entscheiden.
Alles zusammen ist selten zu haben im Leben, möchte man meinen.
Ich weiß es nicht.
Fakt ist, wenn ich zu hohe Erwartungen habe, kann ich einfach nur enttäuscht werden.
Und das widerum macht alles andere als glücklich.
Aber erwarten wir nicht immer?
Erwarten wir nicht vor allem das, was wir selbst bereit sind zu geben?
Kann man sich davon komplett freisprechen?
Gerade im zwischenmenschlichen Bereich?
Ist es nicht normal zu erwarten oder zu hoffen, dass das, was man aus vollem Herzen gibt, auch erwidert wird?
Nicht als Gegenleistung, nicht nach dem Motto: „Ich gebe Dir, also gib Du nun auch mir!“
Ich rede von den eher „selbstverständlichen“ Aufmerksamkeiten untereinander, von den Gesten, die man sich nicht einfordern müssen sollte, von den Liebenswürdigkeiten, die das Herz des anderen berühren, sich gegenseitig zeigen und zu sagen, wie wertvoll der andere für uns ist.
Wenn man immer nur gibt und selbst leer ausgeht, stirbt man irgendwann den emotionalen Hungertod.
Die seelischen Flächenbrände, die das auslösen kann, kennen einige von uns schon aus der Kindheit.
Nicht immer gelingt es, die eigenen Verletzungen, die daraus hervorgegangen sind, abzulegen.
Und nicht immer bekommen wir das, was wir uns am sehnlichsten wünschen.
Es bedarf einiger Kraft und Anstrengung, sich als erwachsener Mensch nicht von der emotionalen Zuwendung anderer abhängig zu machen, vor allem wenn man immer wieder auf`s Neue mit diesem Thema konfrontiert wird.
Einfach geht anders.
Und ich bin weit davon entfernt, mit diesem Thema souverän umzugehen.
Dann ist es eine hohe Kunst, sich nicht von den kleinen und großen Brocken, die unser Herz gelegentlich streifen, zum Einsturz bringen zu lassen und selbst nicht zum gefühlsinsolventen Emotionslegastheniker zu mutieren.
Zu Risiken und Nebenwirkungen fragt Google oder Euren Therapeuten!
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