~Schlussakkord oder Ich bin dann mal weg~

23. Februar 2018 Texte 4
~Schlussakkord oder Ich bin dann mal weg~

Nein, ich habe mir diese Entscheidung alles andere als leicht gemacht, aber glaubt mir, es gibt keinen besseren Zeitpunkt als eben diesen.

Schon seit Längerem habe ich das Gefühl, dass dieser Blog sich einfach erschöpft hat.
Zum einen verbindet mich die Entstehung dieser Plattform mit einem Kapitel in meiner Vergangenheit, welches  mir in eher schlechter Erinnerung geblieben ist.
Zum anderen ist er nach und nach zu einer Art offiziellem Tagebuch geworden.
Typisch für Tagebücher ist, dass man diesen alles unverblümt anvertraut.
Sobald dies allerdings offiziell und nach außen getragen wird, geht der Spießrutenlauf los.
Die einen nehmen sich daraus, was für sie gut und richtig ist und das, wovon sie sich etwas für sich und ihr eigenes Leben mitnehmen können.  Was für sie uninteressant ist, legen sie ad acta und überspringen es großzügig.
Und genau so soll es sein.
Ich schreibe meine Gedanken und Gefühle schließlich nicht, um mich in irgendeiner Art zu profilieren, selbst zu beweihräuchern oder noch schlimmer, andere worin auch immer zu missionieren.
Sondern weil es mir ein zutiefst inneres Bedürfnis ist, mich in Worten auszudrücken, weil ich die Ästhetik unserer  Sprache liebe und weil ich damit einen Weg für mich gefunden hatte, Ereignisse, Gedanken, Empfindungen und mein (all-) tägliches Leben als solches festzuhalten und die, die es wollen, daran teilhaben zu lassen.
Dann gibt es noch die anderen, die Neider, die Besserwisser, die Oberlehrer, die auf-andere-mit-dem-Finger-Zeiger.
Sie nehmen jeden Beitrag auseinander, sezieren ihn kategorisch um  irgendein kleines Detailchen zu finden, was sie auf sich beziehen können, woran sie sich aufgeilen können, um es Dir dann wiederum vor die Füße und den Kopf zu knallen.
Reißen Zusammenhänge aus dem Kontext, picken sich nur das heraus, was sie zu Ihren Gunsten (mit Sicherheit falsch) interpretieren können.
Sie warten eigentlich nur auf den nächsten Satz, den nächsten Beitrag, in welchem sie garantiert einen mehrdeutigen Satz entdecken, der ganz bestimmt was mit ihnen zu tun hat.
Und darauf habe ich einfach keinen Bock mehr.
Ich bin es leid mich zu rechtfertigen.
Ich bin es leid mich zu erklären, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.
Jeden Satz auf etwaige Fehlinterpretationen und Missdeutungen abzuklopfen, nur um niemanden auf die Füße zu treten.
Ich bin es leid, mich von Menschen belehren zu lassen, die mit ihrem Handeln einen Prozess  in Gang setzen und sich über dessen Konsequenzen in keinster Weise im Klaren sind, beziehungsweise sich dann darüber wundern, dass man sich von Ihnen abwendet.

Vor knapp drei Wochen erhielt ich eine Diagnose, die mein ganzes weiteres Leben mehr oder weniger stark beeinflussen wird.
Mich hat das alles sehr ins Nachdenken gebracht.
Ich glaube der Hauptgrund für diese Krankheit ist die schon fast unkontrollierbare Zunahme des Stresses, den ich mir entweder selbst mache, oder dem ich tagtäglich ausgesetzt bin.
Ich habe mich über die Jahre so daran gewöhnt, dass ich es permanent runtergespielt habe.
Schließlich leben wir in einer sehr schnellen, stressigen, von ständiger Hetze und psychischer Belastung geprägten Zeit.
All die Dinge, die unser Leben einfacher, bequemer und zeitsparender gestalten sollen, bewirken doch eigentlich das komplette Gegenteil.
Wir bewältigen heute innerhalb kürzester Zeit mehr Kontakte, Verpflichtungen und Termine als noch vor wenigen Jahren. Kein Wunder, dass unsere Seele nicht nachkommt, der Körper irgendwann schlappmacht und wir uns immer wieder nach dem Sinn des Ganzen fragen.
Ein noch größeres Dilemma sehe ich in der ständigen Präsenz in den digitalen Medien.
Wobei von wirklicher Präsenz meiner Meinung nach nicht die Rede sein kann.
Wer zeigt sich schon echt, authentisch und macht sich damit angreifbar?
Die wenigsten.
Ich hatte das große Glück, einigen von diesen Menschen zu begegnen, sie bereichern mein Leben sehr, auch auf virtueller Ebene.
Die Kehrseite von Facebook, WhatsApp & Co ist diese mediale Anonymität, hinter der sich vermeintlich so gut verstecken lässt.
In Statusmeldungen tummeln sich Pseudo-Psycho-Statements à la „die böse Welt hat mich verletzt, jetzt schmolle ich bis sie merkt was sie mir angetan hast“.
Vor allem diese wie-du-mir-so-ich-dir Opfermentalität geht mir gehörig auf den Sack!
Ich bin weder Jesus, noch kann ich über Wasser gehen (und wenn ich es könnte, gäbe es auch noch genug, die fragen würden ob ich zu blöd zum Schwimmen bin).
Ich habe eine ganze Liste an Unzulänglichkeiten und Fehlern aufzuweisen und die Weisheit mit Löffeln gefressen habe ich auch nicht.
Mein Problem ist einfach nur, dass ich meine Klappe nicht halten kann, dass ich sie dann aufmache, wenn ich mich ungerecht behandelt und hintergangen fühle.
Dass meine Sätze dann weder in Seidenpapier gewickelt sind, noch nach Veilchen duften versteht sich von selbst.
In solchen Fällen kann ich dann klar, deutlich und direkt sein – aber nie gemein oder verletzend, auch wenn mir das gern unterstellt wird.
Wer sich selbst immer nur in Watte packt und von anderen mit Samthandschuhen angefasst wird, muss sich allerdings nicht wundern, dass Klarheit und ehrliche Ansagen keine Schmeicheleien für das eigene Ego sind.
Keiner lässt sich gern kritisieren, aber gerade diejenigen, für die Selbstreflektion ein Fremdwort ist, sind am besten darin, dich permanent über Deine Fehler belehren zu wollen.
Was hat das nun alles mit meiner Krankheit und meinem Blog zu tun?
Ganz einfach: die Prioritäten haben sich neu geordnet. Es ist höchste Zeit für Veränderung, Schlußstriche und Neuorientierung.
Da wo vor ein paar Monaten noch Angepasstheit und immer-und-jedem-gefallen-und-alles-recht-machen-wollen die Oberhand hatte, hat mir mein Körper einen harten linken Haken verpasst und mich auf den Boden der wirklich entscheidenden und wichtigen Tatsachen zurückgeholt.
Mich ständig erklären, mein Handeln und Tun rechtfertigen zu wollen, ist einer Art Einsicht gewichen.
Einsicht darin, dass ich nicht dafür verantwortlich bin, wie andere mich sehen, ob ihnen gefällt was ich sage, wie ich lebe und schon gar nicht, ob und wie sie mit Ehrlichkeit und Kritik umgehen.
Jedem wie es ihm gefällt, aber wenn es nur darum geht, sich Absolution zu holen, dann bitteschön ohne mich. Und nochmal: Ich bin weder Jesus, noch Mutter Theresa.
Mein Leben fühlt sich gerade sehr holprig an, die neuen gesundheitlichen Umstände haben Einiges durcheinandergewirbelt.
Ich bin hochemotional, sehr nah am Wasser gebaut, unglaublich empfindsam gegenüber jeder Form von Stress, Lärm und übermäßigen sozialen Kontakten und Verpflichtungen.
Die größte Aufmerksamkeit gehört im Moment mir selbst.
Das soll weder egoistisch noch selbstgerecht klingen.
Ich habe einfach nur begriffen, wie unzufrieden, unglücklich und schlussendlich sogar krank es machen kann, wenn man ständig versucht in eine Welt zu passen, die einem selbst so gar nicht entspricht.
Man kann sich die größte Mühe geben, den selbst auferlegten Anforderungen oder denen anderer zu entsprechen, versuchen eine „gute Freundin“ zu sein für Menschen, mit denen man nach längerem Hinsehen kaum etwas gemeinsam hat, man ist so daran gewöhnt, die duldsame, nette und widerspruchslose Frau, Tochter, Schwester, Schwägerin, Nachbarin und Freundin zu sein, dass es einem Vulkanausbruch gleichkommt, wenn man aus genau diesen Verstrickungen aussteigt.
Natürlich ist es für niemanden lustig, wenn das Pendel plötzlich in die andere Richtung ausschlägt, für mich am allerwenigsten, lerne auch ich mich doch von einer völlig neuen Seite kennen.
Wir finden uns ab mit Zuständen, die alles andere als gesund für uns sind.
Ich bin jetzt  44, ich habe eine Autoimmunkrankheit, begleitet von einer Herzschwäche – ich glaube es ist an der Zeit den Blickwinkel zu ändern, weg von dem was mich schwächt und hin zu dem, was mich stärkt.
Es ist Zeit, sich von Dingen zu trennen, die sich erschöpft haben, von Menschen, Kontakten, Gewohnheiten, Verantwortlichkeiten und Normen.
Ich will mich wieder spüren und ich will das Leben wieder genießen können.
Zu lange schon ist es geprägt von Unzufriedenheit, Ärger und gesundheitlichen Einschränkungen.
Ich will wieder wirkliche Freude empfinden können, möchte meinem Liebsten und meinem Sohn eine fröhliche Partnerin und gute Mutter sein.
Oder anders gesagt:
„Riskiere etwas!
Denn darum geht es doch eigentlich, dass wir selbst aktiv nach Glück streben müssen.
Niemand hat je unser Leben für uns gelebt; es gibt keine Richtlinien.
Vertrau Deinen Instinkten.
Akzeptiere nur das Beste.
Aber halte auch genau Ausschau danach.
Und dann lass es Dir nicht zwischen den Fingern hindurchschlüpfen.
Die guten Dinge suchen uns manchmal still und heimlich auf. Und nie vollständig.
Erst was wir aus dem machen, dem wir begegnen, bestimmt das Ergebnis.
Was wir darin sehen, was davon wir bewahren.
Und woran wir uns erinnern.
Vergiss nie, dass alle Liebe in Deinem Leben in Dir ist, für immer.
Sie kann Dir nie weggenommen werden.“
(angelehnt an einen Textauszug von Linda Olsson)

Und mit diesen Worten beschließe ich meinen Blog.
Es war eine gute und wichtige Zeit für mich.
Frau Schmidt schreibt… wird noch ein Weilchen online sein,
gerne könnt Ihr noch lesen und stöbern.
Ich brauche noch etwas Zeit, alle Dateien, Texte und Fotos zu sichern.
Allerdings werde ich zeitnah Frau Schmidt`s Facebook Account deaktivieren,
so dass der Blog dann nur noch über`s www zu erreichen ist.
Ein Comeback halte ich derzeit für ausgeschlossen, aber man kann ja nie wissen.
Ein großer Dank geht an Euch alle, die Ihr hier regelmäßig gelesen habt.
Ich danke Euch für Euer Feedback, Euren Zuspruch und nicht zuletzt für Eure Kritik.
Nun ist es Zeit, zu neuen Ufern aufzubrechen
und mich zu verabschieden.
Habt es gut und bleibt gesund!
Eure Frau Schmidt

(C) Photo by Pinterest


4 thoughts on “~Schlussakkord oder Ich bin dann mal weg~”

  • 1
    miRjana petRicevic am 24. Februar 2018 Antworten

    Hallo du Liebe, hinein in den späten Abend…
    Mmmmh… Ich verstehe dich gut, kann deine Gedanken nachvollziehen.
    Auch ich denke, am Ende meines Blogs angekommen zu sein. Schreiben werde ich weiterhin, einerseits mein Buch, andrerseits ziehe ich in eine neue Webpräsenz, gewiss auch mit einem Blog, aber anders.
    Die Prioritäten verschieben sich, wie du richtig sagst.
    Ich habe dich gerne gelesen und werde dich gerne lesen, dann eben anders.
    Und wir treffen uns hoffentlich auch zu einem echten berührbaren Gespräch!

    Du bist krank.
    Kümmere dich.
    Du bist das Wertvollste, was du hast.
    Ich wünsche dir viel Kraft und viel Liebe zu dir selbst.
    Und ja, ne gute Portion Egoismus! Ist gar nichts Verwerfliches! Man versucht es immer nur, uns so einzureden. Quatsch mit Sosse. Egoismus ist oftmals sehr gesund.

    Liebe Frau Schmidt,
    ich wünsche dir das Allerbeste.
    Und ich grüsse dich,
    innig und verbunden.

    mirjana

  • 2
    Anne Meyer am 24. Februar 2018 Antworten

    Hallo Fr. Schmidt,
    mit Traurigkeit habe ich deinen Schlussakkord gelesen.
    Es ist schade, dass dieser Blog nun ein Ende gefunden hat. Es ist immer eine Wohltat gewesen, deine Texte zu lesen. Oft trafen sie meine Seele auf den Punkt. Sie gaben mir die Kraft, neue Ansätze im Lebensstillstand zu finden, eigene Wege weiter zu gehen und bei mir selbst zu bleiben.
    Allerdings bin ich wiedermal fasziniert von deiner klaren Erkenntnis über die Umstände in deinem Leben und über deine Selbstwahrnehmung in dieser anstrengenden Welt.
    Ich wünsche dir ganz viel Kraft für deinen weiteren Weg und bin mir sicher, dass du diesen neuen Lebensabschnitt mit viel stärke und Willenskraft meistern wirst.
    Fühl dich lieb umärmel
    Anne Meyer

  • 3
    Elke am 24. Februar 2018 Antworten

    Stress, immer schneller und immer weiter – der schlimmste Faktor unserer Zeit.

    Ich kann es dir sehr nachfühlen – es dauert aber eine Zeit bis man das alles für sich
    in eine Reihe gebracht hat und ist immer noch nicht fertig damit.

    Ich wünsche dir einen guten und gangbaren Weg für dich.

  • 4
    Kate am 24. Februar 2018 Antworten

    Ach meine Liebe… so traurig ich es finde, dass du hier ein Ende machst do sehr freue ich mich auf deinen Neuanfang und bin mir sicher wir werden von dir wieder lesen an einer anderen Stelle:0) ich drück dich alles liebe dir

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