~Stürmische Zeiten~

19. Januar 2018 Texte 3
~Stürmische Zeiten~

Glück kann so einfach sein.
An freien Freitagen, die schon davon gekrönt sind, endlich mal wieder auszuschlafen, braucht es dafür nur Kaffee, Zeit zum Genießen und interessante Lektüre.
Ich hoffe, Ihr seid gestern alle gut und ohne größere Schäden und Verluste durch den Sturm gekommen.
Die Radioberichte waren teilweise erschreckend, die ganze Zeit waren meine Gedanken bei meinem Bruder, der als Feuerwehrmann auch im Einsatz war.
Ich selbst wählte für meine einstündige Rückfahrt von der Arbeit den Weg über die Autobahn, auch wenn mir die schwankenden LKW nicht geheuer waren, auf den kleineren umliegenden Straßen musste es noch viel schlimmer zugehen.
In Dresden angekommen sah ich dann auch hier das Ausmaß des Sturms, allerdings war man ganz flott damit zugange, umgestürzte Bäume schnell von der Straße zu räumen.
Heute nun hat sich das Wetter wieder beruhigt und ich hoffe sehr, mein Gehirn noch auslüften zu können und etwas Waldluft zu schnuppern.
Dabei will ich über ein neues BlogKonzept nachdenken.
Wie genau das aussehen soll und wird steht noch in den Sternen, solche Projekte nehmen bei mir immer viel Zeit in Anspruch, da ich im „echten Leben“ schon an chronischem Zeitmangel leide.
Derzeit ist es wieder sehr voll und aktiv, wobei sich das für mich in keinster Weise unangenehm anfühlt.
Mit einiger Verspätung scheine ich meine alte Form für einen gelungenen Start in dieses sicherlich sehr spannende Jahr gefunden zu haben.
Der Kopf hat viel zu tun, zu sortieren und abzuwägen, zu verarbeiten und zu strukturieren.
Viel Unschönes wurde in den letzten Tagen aufgewühlt, durchgekaut, ausgespuckt, wieder aufgegriffen um es neu zu bewerten.
Wieder einmal wurde mir bewusst und vor Augen geführt, dass ich mit meiner Art die Dinge beim Namen zu nennen, anecke, polarisiere und mich unbeliebt mache.
Das ist zum einen manchmal schwer auszuhalten, da ich eher das „nette Mädchen von nebenan“ bin, der es schwerfällt, das Wort NEIN zu benutzen, die eher harmoniesüchtig ist und sich nicht gern streitet und die überhaupt lieber dezent im Hintergrund bleibt.
Aber jedes Ding hat nunmal zwei Seiten und so bin ich selbst überrascht von meiner skorpionisch-plutonischen Energie, die sich da gerade Bahn bricht.
Nun steht es mir natürlich völlig fern, Menschen damit zu verletzen oder zu Nahe zu treten.
Allerdings fällt es mir immer schwerer die Klappe zu halten, wenn ich mit Ignoranz und/oder Dummheit konfrontiert werde (ganz im Allgemeinen), oder provoziert werde (wahlweise mich provozieren lasse).
Mag sein, dass nicht jeder/jede mit Direktheit umgehen kann, ich nehme mich da weiß Gott nicht aus.
Sie ist mir allerdings tausendmal lieber, als ständig Pseudo-Psycho-Kalendersprüche aus der scheinbar anonymisierten Internet-Rückendeckung um die Ohren gepfeffert zu bekommen, mit denen man mir scheinbar irgendetwas mitteilen will.
Da mache ich mich lieber angreifbar und bin direkt.
Mein Blog war und ist für mich selbst immer eine Plattform gewesen, auf der ich Gedanken und Gefühle, eben auch – oder gerade – ganz privater Natur, öffentlich mache.
Die Frage warum ich das tue, ist durchaus berechtigt, ist es doch heutzutage so, dass jeder zweite das Bedürfnis hat, die ganze Welt an seinem Leben teilhaben zu lassen.
Ist es Aufmerksamkeit, die einer/eine braucht, um sich wohlzufühlen?
Ist es Bestätigung, die er oder sie nur auf diesem Wege bekommt?
Beides Dinge, die sicher absolute Berechtigung haben und erst zu etwas Negativem werden, wenn man sie als solches bewertet.
Trotzdem trifft beides für mich nicht zu, zumindest lt. meiner Auffassung und Einschätzung.
Es mag sein, dass es Menschen gibt, die das anders sehen. Dürfen sie auch, das ist ein freies Land.
Aber ich erwische mich nun hin und wieder, wie ich mir Rechtfertigungen zurechtlege, um meinen eigenen Blog und die Art und Weise meines Schreibens zu verteidigen.
Warum ich so vieles über den Blog schreibe und nicht, wie mir geraten wurde, in ein Tagebuch, um niemanden auf den Schlips zu treten oder zu provozieren?
Nun natürlich könnte ich das tun, hätte für mich allerdings nicht die gleiche Aussagekraft.
Das Schreiben für die „Öffentlichkeit“ ist das, was mir von einem Kindheitstraum übrig geblieben ist, ein Traum, den ich in der Form wie ich ihn mir gern erfüllen würde, nicht umsetzen kann. Zumindest noch nicht, vielleicht aber auch niemals. Das weiß ich noch nicht. Und es ist mir derzeit auch nicht wichtig zu wissen.
Übrig bleibt am Ende nur die Frage, wenn ich in meinem Schreiben nicht authentisch sein kann oder darf, wozu dann das Ganze?
Jeder hat die Freiheit, die Aktivitäten anderer, die in der Öffentlichkeit ausgetragen werden, zu bewerten, wie er/sie will.
Allerdings hat auch jeder die Freiheit, sich nur das reinzuziehen, was ihn interessiert und bereichert.
So mache ich es, ich lese oder schaue mir nur Dinge an, die mich interessieren, die etwas in mir anrühren, die mir etwas geben.
Wenn sie mir nicht gefallen, lasse ich es.
So einfach ist das!
Und so möchte ich auch mein Schreiben verstanden und gesehen wissen.
Wem es gefällt, ich freue mich darüber.
Wem nicht, es ist sein gutes Recht.
Das Internet ist unüberschaubar groß, die Angebote unendlich.
Ich nehme es niemanden krumm, wenn er nicht ausgerechnet an meinen emotional-nachdenklich-manchmal anstrengenden-literarischen Ergüssen hängenbleibt.
Auch bin ich immer offen und interessiert an der Meinung der Menschen, die meinen Blog lesen, und damit meine ich sicher nicht Fishing for Compliments.

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen nicht zu windigen, aber vergnüglichen Freitag voller kleiner Dinge, die das Leben schön machen.

Eure Frau Schmidt

 

(C) Photo by me


3 thoughts on “~Stürmische Zeiten~”

  • 1
    miRjana petRicevic am 19. Januar 2018 Antworten

    Nun, liebe Frau Schmidt, ich jedenfalls, bin sehr gespannt auf dein neues Blogkonzept und freue mich drauf.
    Und alles ist relativ.
    Ich empfinde dich als vollkommen normal direkt. Also du darfst gerne noch direkter sein für mich.
    Ich wünsche mir auch, dass Menschen den Anderen einfach sein lassen können. Lesen, was ihnen gefällt und den Rest eben stehen lassen. Naja, die Menschheit braucht wohl noch ne Weile. Ist eine träge Meute.
    Sei gegrüsst aus den Tessiner bergen,
    mirjana

    • 2
      Frau Schmidt am 20. Januar 2018 Antworten

      Danke Mirjana, wir sind uns da sehr ähnlich.
      Ja, ich bin im Brainstorming (bzw. IM Moment sitze ich im Büro und gehe meinem Brotjob nach)
      Ich hab die zwei Bilder gesehen aus den Tessiner Bergen… ein Traum! Sowas wäre gerade der Lottogewinn!
      Genieß es in vollen Zügen!
      Ich freue mich Dich zu lesen!

  • 3
    Elke am 20. Januar 2018 Antworten

    Ich finde immer spannend was du zu schreiben hast.
    Manchmal sage ich ganz laut im Inneren „JA“ – ein andermal verhalten und überlege.
    Was nicht zu mir will, ist nicht meins.

    So einfach.

    Ich bin auch gespannt auf dein Blogkonzept. Die Ruhe vor dem Sturm hattest du ja
    bereits und nun darf das auch irgendwann richtig stürmen und vorwärts preschen.
    Jeder auf seine Art.

    Liebe Grüße zu dir – Elke 🙂

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