~Vom (Un-) Sinn des Klagen`s~
Mir scheint,
als wäre das Leben ein ständiges wieder-neu-anfangen.
Das liegt in der Natur der Dinge,
alles ist dem ständigen Wechsel von Wachsen und Vergehen unterworfen.
Ein Kreislauf, der sich durch absolut nichts durchbrechen lässt.
Und das ist auch gut so.
Der Frühling ist in vollem Gange
und mit ihm erwacht all das,
was sich noch vor wenigen Wochen
steif und starr angefühlt hat.
Alte Zöpfe werden abgeschnitten,
die Gedanken entstaubt
und Platz gemacht
für neue Ideen,
verrückte Einfälle,
inspirierende Impulse
und Licht, Luft und Weite.
Ich genieße das Aufatmen allerorten,
und auch wenn ich mich
noch schwer tue
mitzuhalten,
so lässt mich das üppige Aufblühen
nicht unberührt.
Viel steht an in den nächsten Monaten
und ab und an erwische ich mich dabei,
wie mir der Mut ausgeht.
Es ist nichts Neues,
dass ich mir gerne sehr viel mehr
auf die Schultern packe,
als es gesund für mich wäre.
Es gibt Tage, da verfüge ich über
schier grenzenlose Energie.
Dann kann es gar nicht genug Herausforderungen geben.
Wenn es jemand schafft, dann ich.
Gerne natürlich auch alles gleichzeitig.
Und dann gibt es Tage,
wie die vergangenen,
da macht mir mein Körper
einen Strich durch die Rechnung.
Nicht zuletzt auch mein Kopf,
oder viel mehr die Gedanken,
die sich dann ganz gerne mal
ausschließlich um worst-case-Szenarien drehen.
Natürlich dringt davon wenig nach außen,
das Jammern und Lamentieren liegt mir nicht so.
Die Starke zu geben, das habe ich früh gelernt.
Und auch wenn das Bedürfnis manchmal sehr groß ist,
die Arme hochzureißen und hilflos
über Gott und die Welt zu schimpfen,
irgendwen oder irgendwas
für das ganze chaotische,
ungerechte,
manchmal schwer zu ertragende,
zuweilen echt beschissene Leben
haftbar zu machen,
so ist mir diese Fähigkeit irgendwie nicht gegeben.
Das bringt nicht nur Positives mit sich,
zu oft erwische ich mich dabei,
dass ich ungeduldig werde,
wenn ich sehe,
wie wir uns dieser Jammerkultur hingeben.
Wenn ich Gesprächen lausche oder selbst Teil davon bin,
in denen es immer nur darum geht,
was alles NICHT läuft,
was wir alles NICHT haben,
was vor allem mit all den anderen NICHT stimmt.
Und die Krönung des sich beklagen`s
gipfelt darin,
die Umstände,
die Eltern,
die Freunde,
den Chef,
das Wetter,
die Medien,
den Nachbarn
oder wenn gar nichts mehr geht,
das Schicksal
für unsere Unzufriedenheit verantwortlich zu machen.
Wenn auch ich mal wieder
-zumindest gedanklich-
in diffusen Ängsten und
Mitleid erregenden
Gedankenabgründen unterwegs bin,
hilft es mir,
einen Blick auf die zu werfen,
die froh darüber wären,
solche Luxusprobleme
wie wir zu haben.
Dann übe ich mich
in Demut und Dankbarkeit
über all das, was mir
jeden Tag geschenkt wird.
Zum Beispiel ein Bett,
welches frisch und sauber ist
und was ich nicht mit
anderen teilen muss.
Dieses Bett steht in einer
schönen Wohnung,
welche weder von einem Amt finanziert,
noch vom Staat als Flüchtlingsunterkunft deklariert ist.
Es ist so selbstverständlich für uns,
dass wir uns schöne Wohnungen leisten können,
weil wir die entsprechenden gutbezahlten Job`s haben.
Diese gutbezahlten Job`s haben wir,
weil wir in einem Land leben,
was zu den reichsten Europas gehört.
Wir glauben,
das Recht für uns gepachtet zu haben,
darüber zu befinden,
wer hier leben darf und wer nicht.
Verdammtes Glück haben wir gehabt,
ausgerechnet in diesem Land geboren zu sein!
Derzeit möchte ich mit niemandem tauschen.
Wenn ich an die Menschen denke,
die noch nicht einmal über das verfügen,
was für uns so selbstverständlich ist,
dass wir keinen Gedanken mehr daran verschwenden,
dann holt mich das ganz schnell wieder
auf den Boden der Realität zurück.
Dann mache ich mir bewusst,
dass ich selbst
am allerwenigsten damit zu tun habe,
in diesen Reichtum hinein geboren worden zu sein.
Wenn wir länger darüber nachdenken,
bleibt uns ganz schnell
unsere typisch deutsche Arroganz im Halse stecken.
Dann sollten wir einmal mehr
froh darüber sein,
uns tagtäglich
mit unseren Luxusproblemen
herumschlagen zu dürfen.
(C) Photo gefunden auf Facebook
Ach meine Liebe, es ist so schön von dir zu hören, und dann noch solche tollen und wahren Zeilen zu lesen… echt klasse
Ich vermisse dich.
Lieben Dank Katharina, ab Samstag hast Du mich wieder ☺
Es ist immer wieder schön deine Zeilen zu lesen. Sie enthalten so viel Wahrheit Danke dafür dein Papa
Jetzt hab ich es gesehen Paps. Ich freu mich so sehr über Deine Worte!