~Auf Messers Schneide~

18. März 2017 Texte 2
~Auf Messers Schneide~

Diese Worte begegneten mir heute in einem Gedicht von Ulrich Schaffer

„Auf Messers Schneide reifen und wachsen wir,
oft sogar über uns selbst hinaus

Er schreibt über die Balance in unserem Leben
und über Sicherheit, die es nicht gibt.
Das Balancieren auf Messers Schneide ist mir sehr vertraut,
ist doch das Leben nichts anderes als das.
Mal gelingt es uns besser, mal schlechter,
aber immer konsequent.
Wer aufgibt, stirbt innerlich.
Trotz des nahenden Frühlings
schlägt sich Dumpfheit und Verdrossenheit
auf meiner Seele nieder.
Ich zelebriere die Unzufriedenheit,
tobe und fluche.
Meine Umwelt überrasche ich mit einem sehr
umfangreichen Repertoire an Schimpfworten
und Kraftausdrücken.
Alle Gedanken laufen ins Leere,
erschöpfen sich schon in den ersten Anläufen
und verrecken jämmerlich auf halbem Weg.
Kräfte werden aufgezehrt von Überflüssigem,
Unnützem.
Der Seele fehlen
Nahrung und Kraft,
Feuer und Tiefe,
Beständigkeit und Sanftmut,
Gleichmut und Friedfertigkeit,
Milde und Geduld.
Das Innenleben ist aus dem Gleichgewicht,
der Fuß findet kaum sicheren Halt
und tritt des öfteren ins Leere.
In einem anderen Gedicht schreibt Schaffer,
dass wir das Recht haben, unsere dunklen Stunden zu durchleben,
dass auch alle Widersprüche und Abgründe zu uns gehören
und ihre Daseinsberechtigung haben,
dass wir uns nicht durch billige Sprüche
aus unseren Schattenreichen herauslocken lassen sollen.
Weil eben auch diese Zeit zu unserer Wirklichkeit gehört,
genau wie das Lichtvolle und Schöne.
Hüte Dich vor denen,
die Dir sofort einen Pseudo-Spiri-Kalenderspruch à la „Denke positiv, alles hat seinen tieferen Sinn“
ungefragt an den Kopf werfen.
So clever zu begreifen, dass sicher alles irgendwie einen Sinn ergibt,
bist Du auch selbst.
Aber wenn Du gerade in den dunklen Tälern Deiner Seele unterwegs bist,
ist das dein verdammtes Recht
und keiner hat sich anzumaßen,
den Küchenpsychologen zu geben und Dir da raushelfen zu wollen.
Du bist gescheit genug um Hilfe zu bitten, wenn Du sie brauchst.
Und solange ist es gut, wenn Du wenigstens ein oder zwei Menschen hast,
die Dir mit der Taschenlampe ein wenig Licht machen auf den düsteren Pfaden,
die Deine Hand halten,
mit Dir weinen, lamentieren oder einfach nur da sind.
In meinem Leben gibt es ein paar von diesen Menschen
und genau das ist es, was mich die finsteren Tage leichter ertragen lässt.
Denn ich weiß, egal ob dunkel oder hell,
für die wahren Herzmenschen bleibst Du immer Du selbst!

 

(C) Photo by words-of-emotion.thrumblr.com


2 thoughts on “~Auf Messers Schneide~”

  • 1
    Kate am 18. März 2017 Antworten

    Ja meine Liebe Frau Schmidt da hast du sehr den Nagel auf dem Kopf getroffen. In dieser Zeit sollte man auch das ausleben dürfen und nicht immer nur lächeln wo einem doch zu heulen zu Mute wäre.

    • 2
      Frau Schmidt am 19. März 2017 Antworten

      Schön, dass ich nicht alleine bin mit dieser Ansicht. So oft hat man/Frau das Gefühl, dass nur ein freundliches Gesicht (am besten noch mit zusammengebissenen Zähnen) gesellschaftsfähig ist. Aber auch die sogenannten schlechten Simmungen haben ihre Berechtigung!

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