~HerbstGedanken~

22. September 2017 Texte 0
~HerbstGedanken~

Den einen oder anderen
nerve ich ja schon mit meiner
Affinität zu dieser Jahreszeit.
Das mag sich dann ungefähr so anfühlen
oder -hören,
wie für mich, wenn Leute sagen:
Sommer, Sonne, Wärme!
Dann sieht man mich
nur noch mit den Augen rollen.
Nun, so ist es für manchen,
der von mir hört,
dass ich mich bei nebligen Wetter,
kühlen Temperaturen
und kräftigen Brisen am wohlsten fühle.
Ich zelebriere es,
Tee zu kochen,
Kekse zu backen,
Bücher zu lesen,
warme Socken zu tragen
und ständig in der ganzen Wohnung
Kerzen anzuzünden.
Meine Nachbarin
fiel vor ein paar Tagen fast vom Glauben ab,
als ich tatsächlich das erste
Räucherkerzchen zum Glimmen brachte.
Ja, das ist dann schon speziell –
Räucherkerzen im September.
Egal – ich liebe es,
und bekomme es auch nicht über.
Das Schöne für mich am Herbst
ist das Bedürfnis nach Rückzug,
nach einigeln,
nach in-sich-gehen.
Nicht unbedingt,
um geistig-spirituellen Hokuspokus
zu veranstalten,
nein, viel eher
um Ruhe zu finden,
Stille zu genießen,
sich auf das Wesentliche zu besinnen.
Im Sommer, wenn alles nach draußen strebt,
überall was los ist,
wenn einem unbewußt ständig impliziert wird
andauernd auf irgendwelchen Events,
Partys und Konzerten
präsent sein zu müssen,
um hip zu sein und weil es ein Zeichen
von gesellschaftlicher Anerkennung ist,
sich zu zeigen,
kann ich schon mal Einen zuviel kriegen.
Der August ist dann noch nicht
komplett vorbei
und ich bin schon so menschensatt.
Verabredungen fallen mir immer schwerer,
da ich gar nicht mehr aufnahmefähig bin
für so viele Eindrücke und Befindlichkeiten meiner Mitmenschen.
Jeder möchte sich mitteilen,
jeder hat irgendwas zu sagen.
Was als solches auch völlig in Ordnung ist –
nur mir,
mir wird es einfach irgendwann zuviel.
Vor allem auf digital-virtueller Ebene
empfinde ich das,
was meine Augen gewollt und ungewollt
aufnehmen (müssen)
oft als langweiligen Smalltalk und geistigen Dünnschiss.
Am meisten stören mich Aussagen und Postings,
die Dir irgendein nichts- oder vielsagendes
(in jedem Falle aber uneindeutiges)
Statement um die Ohren hauen,
ohne auch nur im Geringsten
nähere Angaben zu Gründen für
ebendiesen seltsamen Ausbruch
schlechtformulierter leerer
Worthülsen zu machen.
Interessant dabei ist,
dass auch auf Nachfrage hin,
diese Phrasen im Dialog nicht näher
erläutert werden –
im Gegenteil.
Dann wird sich versteckt,
hinter der vermeintlichen Anonymität
des Internets,
diese Anonymität wird missbraucht
um Dinge auszusprechen,
oder eben gerade nicht,
weil einem dazu der Arsch in der Hose fehlt,
diese direkt zu benennen.
So wahrt man immer schön sein Gesicht
(oder den Schein),
um sie jederzeit wieder zu revidieren mit
Floskeln wie: „… ist nichts persönliches…“

oder „…ist nur so allgemein gesagt…“

Trugschluß!
Alles was wir von uns geben
ist immer persönlich,
schon deshalb weil
wir darüber reden oder schreiben,
weil es uns bewegt,
berührt,
aufregt,
beschäftigt
und mal mehr oder weniger
tangiert.
Es ist ein Irrglaube
sich davon freisprechen zu können.
All das zum Beispiel,
was ich hier schreibe,
ist äußerst persönlich
und ich bitte sogar darum
diese Zeilen auch so zu sehen
und zu lesen.
Denn im Endeffekt
spricht uns nur das an,
was eine Resonanz in uns findet,
will heißen,
was gerade in diesem Augenblick
etwas mit uns zu tun hat.

Über diese und einige andere Dinge
komme ich ins Nachdenken
wenn es heimelig wird,
wenn sich die Sehnsucht nach Rückzug
immer stärker zeigt.
Dann komme ich auch nicht umhin,
mich von manchem
zu lösen,
Menschen und Umstände ziehen zu lassen,
die mich belasten,
oder die einfach überlebt und erschöpft sind.
So wie der Herbst
uns bildhaft vorführt,
uns ganz genau zu überlegen,
was wir wirklich brauchen
und was wir getrost hinter uns lassen können.
Für mich ist diese Jahreszeit ein schönes Beispiel
für die Besinnung auf das Wesentliche,
die Formen werden wieder deutlicher,
die Luft wird klarer.
Ja, es hat auch eine gewisse Kargheit,
aber vor eben dieser erkennen wir vielleicht
umso offensichtlicher,
was noch stimmt für uns
und was nicht.
Und genau das
können wir dann getrost
gehen lassen.

In diesem Sinne –
kommt genussvoll und gemütlich
in die Schönste aller Jahreszeiten!

 

(C) Photo bei Pinterest


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