~Vom Ende der Täuschung~

09. April 2017 Texte 1
~Vom Ende der Täuschung~

Eine Ent-Täuschung ist doch letzten Endes nichts anderes als das Ende einer Täuschung.
Da, wo wir etwas bestimmtes erwartet haben, ist etwas anderes passiert.
Wir wurden ent-täuscht.
Als ich das erste mal von dieser Sichtweise las, war das nicht leicht zu schlucken.
So hatte doch quasi jeder, auf dessen Wort und Tat Du Dich verlässt,
ein gutes Argument, eben dieser deiner Erwartung nicht zu entsprechen.
Oder zu sagen: „Dein Problem, Du hast Dich täuschen lassen“
Nun, so einfach ist es leider nicht ganz.
Bei losen, sozialen Kontakten
oder Themen, die uns wenig tangieren,
mag das ja noch angehen.
Wenn es dann aber persönlich wird,
oder eben die engeren sozialen Kontakte
oder sogar die eigene Partnerschaft betrifft,
wird es schon schwierig.
Ich weiß, dass es heutzutage zur Modeerscheinung
in den „neuen Beziehungen“ geworden ist,
dass wir immer und zu jeder Zeit
ganz individuell und unabhängig sind und bleiben.
Daran finde ich ja insofern auch nichts verkehrt.
Schwierig wird es tatsächlich erst,
wenn man/frau sich in emotional-kritischen Belangen
voll auf seinen/ihren Partner verlässt und
sich plötzlich verlassen fühlt.
Dann kann schon mal das ganze Gerüst ins Wanken kommen.

Denn wann brauchen wir den Rückhalt unserer Liebsten
nicht am stärksten,
wenn nicht in Momenten,
wo wir uns am hilflosesten,
aber manchmal auch wütend und verletzt fühlen?
Dann braucht es keine Vorträge über
Unabhängigkeit, Neutralität und Individualismus.
Dann braucht es Verständnis, Rückhalt
und das bedingungslose Vertrauen,
dass man füreinander und vor allem voreinander (ein)steht.
Nicht dass wir uns falsch verstehen,
von „nach dem Munde reden“
ist hier nicht die Rede.
Auch nicht vom Ja und Amen sagen
oder immer der gleichen Meinung sein.
Es wäre fatal zu glauben,
um sich gut zu verstehen,
müsse man zu allem den gleichen Standpunkt vertreten.
Und langweilig wäre es obendrein.
Nein!
Hier geht es um Verlässlichkeit und Vertrauen!
Darum, den Menschen,
der mir am nächsten steht,
immer und überall zu schützen und zu unterstützen,
mit Wort und Tat,
ihm zu zeigen,
dass ich auch und gerade dann für ihn einstehe,
wenn ich nicht unbedingt der gleichen Meinung bin,
oder in diesem oder jenem Fall anders gehandelt oder reagiert hätte.
Das hat nichts mit Recht-haben-wollen zu tun,
sondern mit Loyalität.
Dann trage ich ein Stück des Weges
seine Last.
Und er tut dasselbe für mich.
Eine Zeit, welche von übertriebener
Ichbezogenheit,
emotionaler Autonomie
und der allseits so hochgelobten Unabhängigkeit
geprägt ist,
will uns weismachen,
dass jeder sich selbst der Nächste ist.
Ganz ehrlich?
Genau diese Einstellung macht uns zu seelischen Krüppeln
und empathielosen Egomanen.
Wenn mir ein Mensch wichtig ist,
stehe ich hinter ihm, ohne Wenn und Aber.
Dann ist sein Ballast mein Ballast,
dann ist sein Kampf mein Kampf,
dann ist sein Weg auch mein Weg.
Denn sein Leben ist mein Leben!

Und genau das macht eine wahrhaftige Verbindung aus!

Hier geht es nicht um Selbstaufgabe oder Hörigkeit,
sondern um eine ziemlich altmodische Angelegenheit:

Liebe –  das ist der einzige Grund.
Alles andere sind Ausreden!

 

(C) Photo by Pinterest


1 thought on “~Vom Ende der Täuschung~”

  • 1
    Dunja am 9. April 2017 Antworten

    Liebe ist ja nun das am wenigsten altmodische Ding der Welt. Das zweitkraftvollste Werkzeug zum Erhalt der Art. <3

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