~Ab jetzt und für immer~
Wann wissen wir genau wann es Zeit ist zu gehen oder zu bleiben? Erkennen wir wirklich sofort wieviel uns ein Mensch bedeutet? Muss immer gleich alles perfekt sein? Brauchen wir wirklich das komplette Programm mit Schmetterlingen im Bauch, den Himmel voller Geigen und die Achterbahnfahrt der Hormone? Oder ist es nicht vielmehr so, dass eben auch die Liebe nicht von Anfang an perfekt und vollständig sein muss? Erleben wir nicht die schmerzhaftesten Bruchlandungen nach den steilsten Höhenflügen? Warum reicht uns nicht ein Fundament aus Zuneigung, Vertrauen, blindem Verstehen und einer unsichtbaren Verbindung, die mit Worten nicht zu erklären ist? Liebe muss wachsen, langsam, aber stetig, jeden Tag auf’s Neue. Wer sagt, dass sie sofort all unsere Wünsche und Bedürfnisse zufriedenzustellen hat? Das wir uns immer gleich mit absoluter Gewissheit für ein Ja oder Nein entscheiden müssen? So oft versäumen wir zu erkennen, was direkt vor uns liegt. Weil es uns nicht genügt, wir glauben es muss noch höher, weiter, intensiver gehen. Wir verletzen die am meisten, von denen wir am tiefsten geliebt werden, weil sie immer da sind. Suchen weiter nach dem großen Kick, dem großen Knall. Und dann eines Tages stellen wir fest, dass wir es schon einmal in Händen hielten. Nicht ganz so laut und heftig vielleicht, dafür leise und beständig, tiefgehend und verlässlich. Und dann kann es passieren, dass wir übersehen haben was direkt vor uns lag. Und weil es sich nicht mit Wolkenbruch und Donnerschlag angekündigt hat, bemerkten wir es nicht. Wir scheinen nie zu merken wann Liebe wirklich anfängt sich in unserem Herzen einzunisten, aber wir spüren sofort wenn sie vorbei ist. Und wenn wir dann auf der Suche nach dem großen Kick mal wieder vom Schicksal einen Schlag in die Magegengrube verpasst bekommen, ja dann fällt uns vielleicht wieder ein, wie sehr wir geliebt wurden von jemandem, der uns in schwerer Zeit begleitet hat, an unserer Seite stand genau in den Momenten, als der Schmerz uns die Luft zum atmen nahm, dieser Jemand der uns dennoch nicht genug war um ihn nicht gehen zu lassen, das fehlende Puzzleteil in unserem Bild. Das Leben verteilt nicht unendlich viele Chancen. Die Kunst besteht darin sie zu erkennen und uns nicht von vergangener Enttäuschung leiten zu lassen. Unser Verstand geht immer auf Nummer sicher und scheut jegliches Risiko, aus Angst zu verletzen oder verletzt zu werden. Aber was bleibt uns dann noch wenn wir aus diesen Gründen die Menschen verlieren, bei denen wir so geborgen waren, die uns durch jedes noch so tiefe Tal begleiteten und nicht aufgaben? Auch wenn wir nicht immer wissen, wo der Trampelpfad uns hinführt, manche Wege entstehen erst dann, wenn wir sie gehen und nichts anderes im Gepäck haben als unseren Mut und den Glauben daran, dass alles gut wird. Und wer weiß, ob das nicht genau der Weg ist, von dem wir uns erhoffen, dass wir uns an dessen Ende selbst finden – im anderen, mit ihm, ab jetzt und für immer!